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2020 – ein Wendepunkt für ESG-Anlagen

Blog

Gabriel WILSON OTTO
 

2020 war in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt. Bei Anlagen, die umwelt-, sozial- und governancebezogene Aspekte (ESG) berücksichtigen, war es wichtig, das Unternehmensverhalten und die Voraussetzungen für deren Widerstandsfähigkeit in den Vordergrund zu stellen.

Dem Verhalten von Unternehmen gegenüber ihren Kunden und Mitarbeitern wurde eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt. Der Auslöser dafür war die COVID-19-Pandemie, die das Bewusstsein für Anfälligkeiten und Schwächen in verschiedenen Bereichen – nicht nur im Gesundheitssystem – erhöhte und Fragen zur Widerstandsfähigkeit unserer Welt gegenüber Erschütterungen – u. a. zur Resilienz von Unternehmen – aufkommen ließ.

Dadurch rückten Probleme im Zusammenhang mit ESG-Kriterien und den Bedarf an zusätzlicher Finanzierung zur Behebung solcher Probleme in den Vordergrund. Anfang 2020 war eine Wende von Green Financing hin zu Sozialanleihen zu verzeichnen, die im selben Jahr Emissionen in Rekordhöhe verzeichneten.

Im Laufe des Jahres kam es zu beträchtlichen längerfristigen Zusagen für ökologische Finanzierungen, denen der Wunsch – dass die Welt nach der Pandemie besser sein sollte als vorher – zugrunde lag. Das spiegelt sich im großen Interesse für die Unterstützung einer Energiewende auf breiter Ebene wider.

Zahlreiche weitere Verpflichtungen – einschließlich verbindlicher Ziele für Netto-Nullemissionen von Treibhausgasen in den nächsten Jahrzehnten von Ländern wie China, Japan und Südkorea – verliehen diesem Trend zusätzlichen Auftrieb. Hierdurch kann sich unserer Meinung nach sowohl im Hinblick auf die Umweltauswirkungen als auch im Zusammenhang mit den Anlagethemen, die diese Investitionswelle unterstützen, einiges ändern.

2020 – größere Auswahl an ESG-Möglichkeiten

Die Ereignisse des Jahres 2020 werden umfassende Folgen für ESG-Anlagen haben, sowohl was die Anlageklassen als auch die Sektoren betrifft.

Erstens konnten wir im Zusammenhang mit den Anlageklassen ein umfassendes Engagement für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten beobachten. Das wird den Emissionen von Green Bonds und Green Finance starken Auftrieb verleihen. Im Zusammenhang mit der Finanzierung dieser Projekte rechnen wir damit, dass die Emissionen dieses Jahr Rekordwerte erreichen werden und auch in der Zukunft hoch bleiben. Dieser Bereich sollte daher für die Anleger ein Schwerpunkt sein.

Zweitens hat man, um ESG an den Aktienmärkten zu berücksichtigen, hauptsächlich zwei Möglichkeiten, ein Exposure aufzubauen:

  1. Risikomanagement – die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens beurteilen. COVID-19 hat uns gezeigt, dass bestimmte Geschäftspraktiken und Vermögenswerte, die bisher als robust galten, volatiler sind als ursprünglich angenommen. Die ESG-Analyse kann Anlegern wirklich bei der Risikoeinschätzung und der genauen Beurteilung des Risikoexposures helfen.
  2. Andererseits kann man beim Exposure auch nach Themen suchen, bei denen für viele Beobachter deutliches Aufwärtspotenzial besteht. Im Jahr 2020 verzeichnete der Sektor der erneuerbaren Energien eine sehr deutliche Outperformance. Es erfolgten umfassende Verpflichtungen zu ökologischen Finanzierungsprojekten und Netto-Null-Verpflichtungen. Unserer Meinung nach werden erneuerbare Energien noch für mehrere Jahre von Rückenwind profitieren. Ich gehe davon aus, dass die Weltnaturschutzkonferenz der UN diesen Mai in China zu größerem Interesse für die Wiederherstellung/den Erhalt von Ökosystemen und Umweltschutz allgemein führen wird. Zu den anderen Themen, die Anleger unserer Meinung nach im Auge behalten sollten, zählen Umweltdienstleistungen (Abfall, Recycling und Wasseraufbereitung) sowie finanzielle Inklusion (Zahlungsplattformen, Zugang zu Finanzierung/Kredit).

Die Schwierigkeit für Anleger besteht natürlich darin, Anlagen auszuwählen, die auch wirklich “ökologisch” sind. Wir sind davon überzeugt, dass die Berücksichtigung von ESG-Kriterien im Wertpapierauswahlprozess wichtig ist, um das Risiko beurteilen und steuern zu können und um Widerstandsfähigkeit und Aufwärtspotenzial eines Unternehmens zu bestimmen. Hier wird deutlich, dass die grundlegende Kenntnis von Unternehmen zu besseren Anlageentscheidungen führt.

ESG-Anlagen konsolidieren

In diesem Sinne verstärkte und festigte sich im Jahr 2020 unsere Überzeugung, dass eine ESG-Beurteilung wichtige Informationen darüber liefert, wie erfolgreich und widerstandsfähig ein Unternehmen oder ein anderer Wertpapieremittent auf längere Sicht sein kann.

Natürlich gibt es weiterhin Schwierigkeiten bei der Definition von ESG, aber im Jahr 2020 beschleunigte sich die Tendenz zu mehr Transparenz und Harmonisierung der zugrundeliegenden Kriterien. Es bleibt aber noch einiges zu tun.

Zur Veranschaulichung möchte wir anführen, dass bei konventionellen Risikoanalysen von Staatsanleihen durch Ratingagenturen eine starke, nahezu perfekte Korrelation zwischen den Ergebnissen der verschiedenen Agenturen festzustellen ist. Bei den ESG-Ratings weichen die Beurteilungen wesentlich stärker voneinander ab. Das liegt teilweise an den unterschiedlichen Schwerpunkten, die bei ESG gesetzt werden und an den Risiken, die ESG für die finanzielle Performance bedeutet, aber auch an der Auswahl der verwendeten Daten und der Qualität dieser Daten.

Weitere Bemühungen um Datenqualität und transparente Berichterstattung

Deshalb haben wir bei BNP Paribas Asset Management unser eigenes ESG-Ratingsystem eingerichtet, um in unserem gesamten Angebot Einheitlichkeit und Transparenz zu gewährleisten. Wir sind davon überzeugt, dass angesichts des stark zunehmenden Interesses an ESG ein allgemeines Bedürfnis an Klarheit, Harmonisierung, Regulierung und Standardisierung besteht.

Konkret engagieren wir uns durch die Teilnahme an zahlreichen Gremien und Ausschüssen, die sich mit Verbesserungen in diesem Bereich befassen. Ein Beispiel ist unser Beitrag zu einer von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebenen Projekte zu einer Taxonomie bzw. Klassifizierung, die definiert, welche Aktivitäten unter welchen Umständen nachhaltig sind. Wir begrüßen und unterstützen die Bemühungen der Regulierungsbehörden, die Qualität der ESG-Daten und die allgemeinere Berichterstattung der Emittenten und Vermögensverwalter zu verbessern.

Schlussfolgerung

Die Pandemie hat das Bewusstsein für ESG-Fragen – sowohl im alltäglichen Leben als auch in der Geschäftswelt – geschärft. Das verleiht Anlagen, die ESG-Aspekte berücksichtigen, Auftrieb.

Für Anleger ist dies interessant, weil es ihnen eine Möglichkeit bietet, Gutes zu tun. Wir sind davon überzeugt, dass sich dies aus finanzieller Sicht als einträglich erweisen kann, da ESG-Anlagen unserer Meinung nach direkt mit höheren risikobereinigten Renditen kompatibel sind.

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Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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