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Wöchentliches Investment Update – Das Protokoll der FOMC-Sitzung sorgt für Skepsis

Das neue Jahr begann zwar positiv, aber die Bewertungen riskanter Anlagen gingen zurück, da die Märkte eine aggressivere Geldpolitik der US Federal Reserve einpreisten.      

Die Covid-19-Infektionsraten schießen wegen der schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante in die Höhe.

Sie erreichen seit Mitte Dezember in den USA und den meisten westeuropäischen Ländern Rekordwerte, denn die Omikron-Variante breitet sich in der ganzen Welt weiter aus. Diese Entwicklung wirkte sich nicht nur negativ auf die Mobilität aus (weil einige Regierungen Reisebeschränkungen verhängen), sondern auch auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, denn die Infizierten begeben sich in Selbstquarantäne.

Die GISAID-Plattform zur Mitverfolgung der Ausbreitung von Corona-Varianten zeigt, dass der Anteil der Delta-Fälle in vielen Regionen weiter zurückgeht, während der Anteil der Omikron-Fälle zunimmt, weshalb man davon ausgehen kann, dass die jüngste Variante Delta weltweit auskonkurrieren und verdrängen könnte. In den USA und verschiedenen europäischen Ländern ist Omikron bereits vorherrschend.

Entscheidend ist jedoch, dass sich die Zahl der durch Omikron hervorgerufenen Todesfälle (bisher) in Grenzen hält. Ersten Hinweisen zufolge führt Omikron zu einem milderen Krankheitsverlauf und greift die Lungenzellen weniger an. Die Daten sind zwar noch lückenhaft und es bleiben viele Unbekannte, aber die Anleger gehen offensichtlich immer noch optimistisch davon aus, dass eine reflationäre Erholung der Weltwirtschaft nicht gefährdet ist.

Unter diesen Umständen dürften die Störungen der Lieferketten anhalten. Eine neue Messung des weltweiten Drucks auf die Lieferketten der New York Federal Reserve zeigt dagegen, dass der Druck langsam nachlassen dürfte (siehe Diagramm 1).

Omikron in China – eine bekannte Unbekannte

Obwohl in bestimmten Ländern erneut Einschränkungen auferlegt wurden (z. B. ein landesweiter Lockdown in den Niederlanden) tendiert die Politik eher zu pragmatischen Maßnahmen, die den Besonderheiten der Omikron-Variante Rechnung tragen. In immer mehr Ländern (z. B. Deutschland, Spanien, USA, Vereinigtes Königreich) wird die Quarantänezeit für Covid-Infizierte verkürzt, besonders, um Störungen aufgrund von Personalmangel zu vermeiden.

China bildet hier nach wie vor eine Ausnahme: Die Behörden halten im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Peking im Februar und des 20. Parteitags der Kommunistischen Partei im November an ihrer Null-Covid-Strategie fest. Die Infektionsraten in China stellen daher ein großes Risiko dar, das zu weiteren Lieferkettenunterbrechungen und angespannten Arbeitsmärkten im Land führen könnte.

Der deutsche Virologe Christian Drosten sagte in einem Interview, dass Omikron zum Test für die chinesischen Covid-Impfstoffe werden könnte (Spekulationen zufolge könnten die chinesischen Vakzine, bei denen es sich um inaktivierte Impfstoffe handelt, weniger wirksam gegen Omikron sein als mRNA-Impfstoffe). 

Strenge Lockdowns und Grenzschließungen dürften in China während des Jahres anhalten, was für die internationalen Märkte schwerwiegende Folgen haben könnte. Sollte die chinesische Null-COVID-Politik beispielsweise den Binnenverbrauch/die Importe beeinträchtigen und zu Handelsbilanzüberschüssen beitragen, könnten diese in Form von Staatsanleihekäufen in den USA und/oder Europa zurückgeführt werden.

Das Protokoll der FOMC-Sitzung sorgt für Skepsis

Der Offenmarktausschuss der US Federal Reserve trat zuletzt am 15. Dezember zusammen, um über die Geldpolitik zu diskutieren, und kündigte Maßnahmen an, die von den Finanzmärkten als wohlwollend interpretiert wurden (einen vollständigen Überblick über die Entscheidungen finden Sie in unserem Post hier). Die Veröffentlichung des Protokolls dieser Sitzung am 5. Januar wurde allerdings nicht freudig aufgenommen und löste einen starken Anstieg der Anleiherenditen sowie einen Ausverkauf der Aktien aus.

Unser Fixed Income Team ist der Meinung, dieses Protokoll betone, dass die meisten Ausschussmitglieder es für angemessen halten, kurz nach dem Beginn der Zinserhöhungen die Bilanzreduktion einzuleiten.

Es überraschte den Markt ganz offensichtlich, dass ‚fast alle‘ FOMC-Teilnehmer der Auffassung sind, dass die Fed ihre Bilanz reduzieren (das bedeutet, mit dem Verkauf der im Rahmen der quantitativen Lockerung erworbenen Anleihen beginnen) sollte, sobald der Leitzinssatz erhöht wurde.

Bei unveränderten Rahmenbedingungen dürfte eine früher als erwartet eingeleitete Bilanzreduktion zu steigenden Anleiherenditen führen. Die Märkte waren allgemein nicht darauf vorbereitet, dass die Bilanzreduktion und die Zinserhöhungen simultan erfolgen würden.

Durch die Reduktion der Fed-Bilanz wären weniger Zinserhöhungen erforderlich. Wir sind davon überzeugt, dass dies den verflachenden Effekt mildern würde, den derartige Zinserhöhungen auf die Renditekurve von US-Anleihen hätten. Wir rechnen jetzt mit einer Versteilerung der Kurve.

Insgesamt betrachten wir dieses Protokoll als Übergang des FOMC zu einer aggressiveren Haltung. Die Tatsache, dass der Fed-Vorsitzende Powell bei der Frage- und Antwortrunde nach der FOMC-Sitzung im Dezember nicht erwähnte, dass eine Bilanzreduktion zeitgleich mit Zinserhöhungen erfolgen könnte, bedeutet für uns, dass die Fed den Anlegern ‚tropfenweise‘ eine aggressivere Geldpolitik näher bringen möchte.

Die Reaktion der Märkte auf das Protokoll der FOMC-Sitzung

Der Eindruck, dass die Fed zu einer aggressiveren Politik übergeht, ließ den Nasdaq Composite um 3,3 % fallen, was seinem stärksten Rückgang seit fast einem Jahr entsprach. Die höhere Anleiherendite lässt den Diskontsatz für Aktien steigen und stellt die hohen Kennzahlen in Frage.

Die Rendite von US-Treasurys mit zweijähriger Laufzeit erreichte nach der Veröffentlichung des Protokolls mit 0,82 % ihren höchsten Stand seit März 2020. Die Rendite der als Benchmark geltenden zehnjährigen Treasury Note stieg von 1,5 % am 31. Dezember auf 1,72 %. Der Aktienindex S&P 500 ging um 1,9 % zurück.

Die europäischen Staatsanleihen waren ebenfalls von diesem Ausverkauf betroffen: Die Rendite für Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg auf -0,05 %, ihren höchsten Stand seit Mai 2019. Die Rendite italienischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erhöhte sich zum ersten Mal seit Juli 2020 auf über 1,3 %.

In Asien ging der japanische Aktienindex Nikkei 225 um 2,9 % zurück, und der CSI 300 in Festlandchina musste 1 % abgeben.

Positionierung

Unsere Multi Asset-Portfolios sind für höhere Staatsanleiherenditen in den USA und Europa positioniert. Wir bevorzugen weiterhin Aktien, konzentrieren uns aber auf Regionen, die wir bei den aktuellen Bewertungen für weniger anfällig gegenüber Schwankungen der Realrenditen halten und in denen wir in den Jahren 2022 und 2023 absolut und relativ gesehen starke Cashflows erwarten.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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