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Seit dem Wirtschaftssymposium in Jackson Hole Ende August hat sich die Situation schnell zugespitzt: Aggressive Zinsentscheidungen und Äußerungen der geldpolitischen Entscheidungsträger in den USA deuten auf einen (verzweifelten?) Versuch hin die Inflation einzudämmen. Die bisherigen Folgen sind ein starker Rückgang der Aktienbewertungen und ein Anstieg der Anleiherenditen, insbesondere im kurzen Laufzeitenbereich. Wohin werden diese Entwicklungen die Finanzmärkte führen?

Vorausschauendes Handeln in Europa

In dieser Woche stehen zahlreiche geldpolitische Sitzungen an. Eröffnet wurden diese von der Riksbank, die ihren Leitzins um 100 Basispunkte (Bp) auf 1,75 % anhob. Dies war nicht nur mehr als erwartet, Kommentare und offizielle Prognosen deuten darauf hin, dass sich die schwedische Zentralbank für eine stärkere Anhebung zum jetzigen Zeitpunkt entschieden hat, um die Inflation einzudämmen, damit sie die Geldpolitik nicht zu einem späteren Zeitpunkt deutlich straffen muss. Der Endsatz, mit dem der revidierte Zinspfad rechnen lässt, liegt bei 2,50 % und damit deutlich unter den Marktprognosen (3,60 %).

In einer Rede in Frankfurt sagte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde, die Geldpolitik müsse verhindern, dass sich die Abweichungen zwischen der tatsächlichen Inflationsrate und dem Ziel der EZB verfestigen. Ihre Schlussfolgerung ist eindeutig:

Bei Hinweisen darauf, dass die hohe Inflation zu einer Entankerung der Inflationserwartungen führen könnte, läge der mit unserem Zielwert kompatible Leitzins im restriktiven Bereich“.

Die EZB-Präsidentin fügte hinzu, dass die „Inflationserwartungen weiterhin vergleichsweise gut verankert“ seien. Dies als selbstverständlich anzusehen, wäre jedoch unklug. Die erneute Beschleunigung der Erzeugerpreise in Deutschland (+7,9 % im Vergleich zum Juli, +45,8 % im Jahresvergleich) rechtfertigt diesen vorsichtigen Ansatz.

Bewährte Praktiken in den USA

Die letzte Sitzung des FOMC (Federal Open Market Committee) endete am 21. September mit einer Anhebung des Leitzinses um 75 Basispunkte auf eine Spanne von 3,00 %-3,25 %.

Diese dritte Zinserhöhung in Folge war sowohl von Ökonomen als auch von den Märkten weitgehend erwartet worden, da die in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten zum US-Verbraucherpreisindex für August das Ausmaß des Inflationsdrucks in der Volkswirtschaft deutlich machten.

Auf der Pressekonferenz nach der Ankündigung stellte Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), klar, dass sich seine Botschaft zum Konjunkturausblick und zur Geldpolitik seit dem Symposium in Jackson Hole nicht geändert habe. Nach drei Zinserhöhungen um jeweils 75 Bp versucht die Fed nun, die Anleger davon zu überzeugen, dass sie zu einem etwas langsameren Zinserhöhungstempo zurückkehren könnte, ohne jedoch die Leitzinsen so schnell zu senken, wie es die Märkte erwarten.

Die Kommunikation in diesem Bereich ist heikel; dennoch zeigten die Fed-Futures-Märkte nach der Pressekonferenz, dass der Leitzins im März nächsten Jahres einen Höchststand von 4,60 % erreichen dürfte. Eine erste Zinssenkung ist für November 2023 eingepreist. Dies kann als erster Erfolg für den Fed-Vorsitzenden Powell gewertet werden.

Genau wie Christine Lagarde vor ihm, wollte er keine explizite Schätzung des Endsatzes (d. h. des Leitzinses, der den Höhepunkt des Straffungszyklus kennzeichnen wird) vornehmen, aber die von allen FOMC-Mitgliedern vorgelegten Prognosen sprechen für sich.

Notwendiges Handeln in Japan

Am 7. September stieg der USD/JPY-Kurs auf fast 145 Yen/US-Dollar, den höchsten Stand seit 1998, was die japanischen Behörden zum Handeln veranlasste. Am darauffolgenden Tag erklärte der stellvertretende Finanzminister, die Regierung und die Bank of Japan (BoJ) seien bereit, alle erforderlichen Maßnahmen am Devisenmarkt zu ergreifen, falls der Yen weiter abstürzen sollte.

Als der US-Dollar wieder anstieg, sprach die BoJ die Möglichkeit von Interventionen zur Stützung der Währung an. In der vergangenen Woche berichteten mehrere Quellen, dass die BoJ eine ‚Kursüberprüfung‘ durchgeführt habe, auf die keine Maßnahmen folgten. In der Vergangenheit waren solche Überprüfungen der Auftakt zu direkten Interventionen am Devisenmarkt. Darüber hinaus bekräftigten Beamte des Finanzministeriums, dass ein starker Rückgang des Yen nicht wünschenswert sei und der Minister selbst warnte, dass bei Bedarf „sofort“ gehandelt würde.

Die BoJ beabsichtigt jedoch nicht, ihre Geldpolitik zu ändern, um ein bestimmtes Wechselkursniveau anzustreben. Am 21. September kaufte die Zentralbank außerplanmäßig langlaufende Schatzpapiere (japanische Staatsanleihen (JGB)) am langen Ende der Kurve, um die im Rahmen ihrer Politik zur Steuerung der Zinskurve festgelegte Obergrenze von 0,25 % für die Rendite von 10-jährigen JGB zu verteidigen.

Der USD/JPY-Wechselkurs erreichte am 22. September nach der Intervention der japanischen Behörden kurzzeitig wieder 140, während die Bank of Japan ihre geldpolitische Sitzung am 22. September mit der festen Zusage beendete, ihren ultra-akkommodierenden Kurs beizubehalten.

Durch die Ankündigung einer strafferen Geldpolitik muss sich nicht unbedingt viel ändern, wie der Fall der schwedischen Krone nach der starken Anhebung des Leitzinses und die Abwertung des Pfund Sterling trotz einer weiteren Anhebung des Leitzinses der Bank of England zeigen. Die Zentralbanken haben es derzeit sicherlich nicht leicht: Die Botschaft („alles, nur keine Inflation“) könnte deutlicher nicht sein, aber das reicht nicht, um die Unsicherheit zu besänftigen.

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