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Wöchentliches Markt Update – Noch könnten die Pessimisten recht behalten

Die Anleger waren im Laufe des Jahres zwischen Rezessions- und Inflationsängsten hin- und hergerissen. Die hat es schwierig gemacht, die Reaktion der Märkte auf Wirtschaftsdaten und -nachrichten vorauszusehen. Was gut für das Wachstum ist, ist im Allgemeinen schlecht für die Inflation und umgekehrt.   

Die jüngsten Daten lassen überwiegend mit langsamerem Wachstum und höheren Rezessionsrisiken rechnen.

Obwohl viele eine Rezession in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 erwarteten, deuten die Einkaufsmanagerindizes (PMI) vom Juli aus den USA und Europa darauf hin, dass sie schon früher eintreten könnte. Sowohl die Indizes für das verarbeitende Gewerbe als auch für den Dienstleistungssektor lagen in mehreren Ländern unter 50 und zeigen somit eine Schrumpfung an. Der US-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor fiel im Juni von 52,7 auf 47drastisch.

Die schwächeren Daten haben allerdings den Vorteil, dass viele Marktteilnehmer nun davon ausgehen, dass die Zentralbanken die Zinssätze weniger stark als erwartet anheben müssen, um die Wirtschaft zu bremsen und die Inflation zu senken. In den letzten sechs Wochen sind diese Erwartungen um etwa 100 Basispunkte gesunken (siehe Diagramm 1).

Gewinnsaison – Gar nicht so schlecht

Der Rückgang der Zinserwartungen hat die Aktienmärkte gestützt, auch wenn die schwächeren Wachstumsaussichten Zweifel am Gewinnausblick aufkommen lassen. Die Analysten bleiben im Hinblick auf die Aussichten für das nächste Jahr zuversichtlich.

Ohne Berücksichtigung von Rohstoffen wird für 2023 immer noch ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 12 % in den USA und 11 % in Europa prognostiziert. Ein solch starkes Wachstum ist jedoch mit einer Rezession unvereinbar, so dass die Gewinnschätzungen wahrscheinlich sinken müssen – oder tatsächlich eine sanfte Landung bevorsteht.

Die Ergebnisse der Gewinnsaison für das zweite Quartal sprechen für die optimistischere Version. Obwohl vereinzelte Enttäuschungen und Herabstufungen bekannt wurden, sind die Unternehmensberichte bisher solide.

Die Gesamtzahlen für das Gewinnwachstum in den USA und in Europa sind negativ (jeweils -3,7 % bzw. -3,6 %), was aber auf ein deutlich negatives Gewinnwachstum im Finanzsektor zurückzuführen ist. Dies wurde erwartet, wobei die Berichte in Wirklichkeit jedoch nicht so schlecht ausfielen wie befürchtet.

Insgesamt überraschten sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnmeldungen positiv, und ohne den Finanz- und Energiesektor war das Gewinnwachstum mit einem Anstieg um 7,4 % in den USA und 3,4 % in Europa recht gut.

Die Anleger haben besonders auf die Prognosen der Unternehmen geachtet, insbesondere darauf, ob sie diese angesichts der weit verbreiteten Rezessionserwartungen senken.

Die Unternehmen taten jedoch das ganze Gegenteil. Es sei daran erinnert, dass im Durchschnitt nur 23 % der Unternehmen ihre Prognosen anheben, während 38 % sie senken. In diesem Quartal waren die positiven Korrekturen der Prognosen mit 34 % höher und die negativen mit nur 35 % niedriger (siehe Diagramm 2).

Das soll natürlich nicht heißen, dass der mittelfristige Gewinnausblick gut ist – wir rechnen nach wie vor mit erheblichen Rückstufungen. Es spiegelt lediglich die Tatsache wider, dass das Umfeld derzeit trotz aller Herausforderungen positiv bleibt. Die CEOs der Unternehmen haben jedoch auch nicht mehr Einblick in die Zukunft als wir alle.

Zentralbanken – Bloß keine Selbstgefälligkeit

Die Zentralbanken haben ihre Zinssätze weiter angehoben (die US-Notenbank erwartungsgemäß um 75 Basispunkte und die EZB überraschend stark um 50 Basispunkte), obwohl der Markt zunehmend skeptisch ist, dass sie in der Lage sein werden, diesen Kurs zu halten.

Die Fed dürfte bereits im nächsten Frühjahr voraussichtlich mit Zinssenkungen beginnen, während die EZB eine Pause einlegen dürfte. Diese günstigen Aussichten spiegeln sich auch in den Inflationserwartungen wider. Die Preissteigerungsrate in den USA wird voraussichtlich in einem Jahr auf 3,8 % sinken und sich von da an weiter verlangsamen. Ob dies die Auswirkungen der Rezession widerspiegelt oder ob sich die Inflation letztlich als ‚vorübergehend‘ erweisen wird, lässt sich nicht sagen.

Wir halten den Zinsausblick des Marktes allerdings für zu selbstgefällig. Zwar verlangsamt sich das Wachstum in der Tat, aber die Inflation wird wahrscheinlich noch länger anhalten, so dass die von den beiden wichtigsten Zentralbanken selbst angekündigten Zinserhöhungen notwendig sein dürften.

Wir haben in diesem Jahr bereits mehrfach beobachtet, dass Aktien (und insbesondere Wachstumswerte) leiden, wenn die Leitzinserwartungen steigen. Trotz der guten Nachrichten aus dieser Gewinnsaison sind die Aktien wahrscheinlich noch nicht über den Berg, und die Bedenken der Pessimisten könnten sich nach wie vor als gerechtfertigt erweisen.

Eine ausführlichere Erörterung finden Sie in unserem Halbjahresausblick auf unserer Website für Investmenterkenntnisse, VIEWPOINT.

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