BNP Paribas Asset Management weekly strategy update
Blick auf die Welt, Market commentary, Weekly strategy update

Die Notenbanken werden nicht für Unruhe sorgen

December 13, 2017 - Guillermo Felices, Head of Research and Strategy, Multi Asset Team, MAQS

Aktien dürften vom Wachstum und den noch immer niedrigen Zinsen profitieren

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

Früher oder später werden sich die Gremien der Notenbanken zu ihren letzten Sitzungen des Jahres 2017 treffen. Was auch immer sie entscheiden, dürfte den diesjährigen Aufwärtstrend der Finanzmärkte aber kaum bremsen. Vor allem Aktien haben 2017 stark zugelegt. Nur einige der wichtigsten Notenbanken dürften die Geldpolitik 2018 straffen, und das allenfalls maßvoll. Viel spricht dafür, dass die guten Zeiten weitergehen.

Dennoch: In der letzten Woche entwickelten sich Aktien meist seitwärts, einerseits weil die Investoren vor den Notenbanksitzungen erst einmal abwarten, andererseits weil sie zum Jahreswechsel Vorsicht walten lassen und die Gewinne des Jahres sichern. Immerhin hat der MSCI World in diesem Jahr bis jetzt fast 19% zugelegt, der EuroStoxx ist um 9% gestiegen und der amerikanische S&P 500 um 21%. Japans Nikkei legte sogar gut 21% zu.* Auch an den Anleihemärkten hat sich in der letzten Woche nicht viel getan.

BANK OF JAPAN: ETF-KÄUFE HELFEN

Betrachten wir die Märkte in umgekehrter Reihenfolge, erst Japan, dann die USA und schließlich den Euroraum. Japan profitiert offensichtlich von der guten Weltkonjunktur; im 3. Quartal wuchs das BIP annualisiert um 2,5%, nach 1,4% (ebenfalls annualisiert) im 2. Quartal. So hoch war das Wachstum schon seit zehn Jahren nicht mehr. Trotz der dreiprozentigen Yen-Aufwertung legten die Nettoexporte kräftig zu. Dennoch wäre es übertrieben zu sagen, dass das Wirtschaftswachstum und andere Fundamentaldaten die Aktienmärkte bestimmen.

Den Daten zufolge lagen die Aktienkäufe der japanischen Notenbank deutlich über den Käufen ausländischer Investoren. Das hat den Aktienmarkt zwar beflügelt, spricht aber auch dafür, dass die Fundamentaldaten, so gut sie sein mögen, nur wenig helfen. Mit anderen Worten: Die Notenbank scheint den Aktienmarkt ebenso zu stützten wie die Gesamtwirtschaft. Sie profitiert von der extrem lockeren Geldpolitik, vor deren Hintergrund neben Exchange-Traded Funds (ETFs) auch andere Wertpapiere gekauft werden und an der sich auf absehbare Zeit nichts ändern dürfte.

Die japanische Geldpolitik dürfte das Goldilocks-Szenario weiter stützen, also die Kombination aus stabilem Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation. Damit unterscheidet sich das Konjunkturbild in Japan nicht wesentlich von dem anderer wichtiger Volkswirtschaften.

FED: SACHTE, SACHTE

Wenn sich der Offenmarktausschuss der Fed diese Woche trifft, dürfte er kaum für Unruhe sorgen. Vermutlich wird die Zielspanne für die Federal Funds Rate um 25 Basispunkte angehoben. Aber damit wird allgemein gerechnet, und die jüngsten Daten dürften die US-Notenbank keinesfalls davon abhalten. Der jüngste Arbeitsmarktbericht ähnelte den Berichten der letzten Monate; die Beschäftigung steigt auf breiter Front, da die US-Wirtschaft vom stärkeren US-Dollar und dem höheren Wirtschaftswachstum profitiert. Vieles im aktuellen Bericht kam uns bekannt vor, denn einmal mehr enttäuschte der Lohnanstieg. Die Seitwärtsbewegung der Löhne hat sich bestätigt.

Noch immer sucht man dafür eine Erklärung. Zahlen wie diese – in Kombination mit der noch immer moderaten Inflation und der niedrigen Arbeitslosenquote – sind der Grund dafür, dass der Offen-marktausschuss seine Schätzung der NAIRU (also jene Arbeitslosenquote, bei der die Inflation nicht steigt) wohl senkt. Knappheiten am Arbeitsmarkt würden demnach erst noch später zu einer höhe-ren Teuerung führen. Allerdings könnte der Offenmarktausschuss seine Wachstumsprognose für 2018 leicht anheben. Dies und eine möglicherweise doch etwas höhere Inflation könnten die Fed veranlassen, für das kommende Jahr einen zusätzlichen Zinsschritt um 25 Basispunkte in Aussicht zu stellen. Noch im September war sie von drei Zinserhöhungen im kommenden Jahr ausgegangen.

Aber auch das würde die Märkte nicht unbedingt irritieren, da ja das Wirtschaftswachstum zulegt und die Unternehmen auch im neuen Jahr ordentliche Gewinne erzielen dürften. Helfen könnten auch die Fortschritte der amerikanischen Steuersenkungspläne: Repräsentantenhaus und Senat bemühen sich, ihre unterschiedlichen Vorstellungen in Einklang zu bringen, sodass vielleicht noch in diesem Jahr oder Anfang nächsten Jahres ein gemeinsamer Entwurf zur Abstimmung kommt und der Präsident ihn unterzeichnen wird. Die Einzelheiten der Steuerreform fließen dann in die Projektionen des Offenmarktausschusses ein. Je nachdem, wie er deren Effekte einschätzt, könnte die Geldpolitik weiter gestrafft werden.

EZB: WIRD SICH DIE RHETORIK ÄNDERN?

Bei der EZB-Ratssitzung in dieser Woche wird man wohl mehr auf den Ton der anschließenden Erklärung als auf konkrete Maßnahmen achten, da mit echten Änderungen der Geldpolitik nicht zu rechnen ist. Angesichts der sehr guten Euroraum-Konjunktur könnten sich die Ratsmitglieder für eine schärfere Rhetorik entscheiden und deutlicher darauf hinweisen, dass die Wertpapierkäufe im Rahmen des Quantitative Easing in absehbarer Zeit beendet werden. Das Programm sollte für mehr Wachstum und Inflation sorgen.

Einige Ratsmitglieder könnten jetzt argumentieren, dass die gute Wirtschaftslage Handlungsspiel-räume eröffnet – und sei es auch nur bei der Rhetorik. Aus Sicht dieser Fraktion könnte für die EZB die Zeit gekommen sein, das Quantitative Easing nicht mehr mit dem Inflationsausblick zu begrün-den. Wenn stattdessen wieder mehr über andere geldpolitische Instrumente gesprochen wird, könnte der Markt dies mit großer Aufmerksamkeit registrieren. Eine Änderung der Rhetorik könnte nämlich ein Vorbote für eine allmähliche Änderung der Geldpolitik sein, auch wenn mit konkreten Maßnahmen wohl erst in ferner Zukunft zu rechnen ist.

ANDERE NOTENBANKEN: HÖHERE ZINSEN IN DER TÜRKEI UND IN MEXIKO

Interessant sind nicht nur die drei führenden Notenbanken. Beispielsweise könnte in der Türkei eine Zinserhöhung anstehen, um die Lira zu verteidigen sowie möglicherweise die Inflation und aus dem Ruder laufende Inflationserwartungen zu bekämpfen. Die mexikanische Banxico dürfte ebenfalls die Zinsen anheben, vielleicht auch weil der neue Notenbankgouverneur darin die Möglichkeit sieht, sich als Verfechter der Geldwertstabilität zu profilieren. All dies würde zu der Vorstellung passen, dass Inflationsentwicklung und Inflationserwartungen die Geldpolitik mehr und mehr bestimmen. Wir glauben allerdings auch, dass die Bank of England mit ihrer letzten Zinserhöhung zu voreilig war. Wir halten es noch immer für möglich, dass die britische Notenbank angesichts des beunruhigenden Wachstumsausblicks und des beschleunigten Inflationsrückgangs gezwungen sein könnte, zurückzurudern und die Zinsen zu senken.

Redaktionsschluss: 11. Dezember 2017

WSU

*Stand 8. Dezember 2017

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