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Europäische Aktien – Die Lücke schließt sich

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BNP Paribas Asset Management
 

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Die Erholung der europäischen Aktien ist spektakulär: Seit ihrem Tiefstand im März sind sie um mehr als 60 % gestiegen. Seit Jahresbeginn konnten sie sich um mehr als 13 % verbessern. Dennoch scheint der europäische Markt deutlich hinter dem US-Markt zurückzubleiben.

Deshalb fragen wir Peter Abbot, Portfoliomanager für europäische Aktien:

Sollten die Anleger damit rechnen, dass Europa aufholt?

Betrachtet man die Kapitalströme bei Aktien, wird schnell klar, dass die Anleger bisher eindeutig die USA bevorzugten. Das Kapital floss überwiegend in US-Aktien, internationale Aktien und die Schwellenländer. Bis vor Kurzemwaren in Europa keine Zuflüsse zu verzeichnen. Das billionenschwere Konjunkturprogramm in den USA zog die Anleger an.

Das erklärt weitgehend den starken Anstieg der US-Aktien, die jetzt um 25 % über ihren vor der COVID-Krise erreichten Niveaus liegen. Ich möchte darauf hinweisen, dass europäische Anleger den Abschreibungseffekt dieser umfassenden Konjunkturpakete auf den US-Dollar berücksichtigen sollten. Das bedeutet, dass die US-Aktien in Euro ausgedrückt nur um 11,5 % gestiegen sind, während der Anstieg der europäischen Aktien fast 6 % beträgt. Obwohl letztere also tatsächlich im Rückstand sind, ist der Unterschied nicht so groß, wie man meinen könnte.

Fairerweise muss aber gesagt werden, dass diese Situation den Bewertungsunterschied hervorgehoben hat, der bereits vor der COVID-Krise existierte: Europäische Aktien sind eindeutig billiger als US-Aktien, da der Optimismus in den USA bereits weitgehend eingepreist ist. Aus dieser Sicht würde ich sagen, dass in Europa viel Spielraum besteht, um aufzuholen.

Gibt es neben dem US-Konjunkturpaket weitere Faktoren, die die europäischen Aktien stützen?

Ja, natürlich. Man übersieht oft, dass es sich bei den europäischen Unternehmen um die am stärksten auf internationaler Ebene diversifizierten Unternehmen aller Regionen der Welt handelt. Analysiert man, wo die Unternehmen den Großteil ihres Umsatzes und Gewinns erwirtschaften, sieht man, dass die europäischen Unternehmen über die größte Exposure gegenüber internationalem Wachstum verfügen, besonders gegenüber dem Wachstum in den USA, China und den Schwellenländern. Sie sind für eine breite wirtschaftliche Erholung besonders gut aufgestellt.

Was kann dem europäischen Markt Auftrieb verleihen?

Betrachtet man die aktuellsten Gewinnmeldungen, die allgemein gut ausfielen, zeigt die Reaktion des Marktes, dass die positive Entwicklung größtenteils bereits eingepreist war. Die Bedenken im Zusammenhang mit der Inflation waren im Endeffekt auch ausschlaggebend. Die jüngsten Gewinnberichte der Unternehmen enthielten insgesamt optimistische Kommentare zur Erholung der Nachfrage, obwohl die Margen in einigen Sektoren unter Angebotsengpässen zu leiden hatten.

Die meisten Unternehmen sind jetzt davon überzeugt, dass sie über Preissetzungsmacht verfügen und in der Lage sind, die Kosten zu kontrollieren. Sie möchten ihre Investitionsausgaben und ihre Eigenkapitalrendite erhöhen. Wir sind der Ansicht, dass die zukünftige Marktentwicklung jetzt von der Qualität der Unternehmen und von deren Fähigkeit abhängt, über längere Zeit Gewinne zu erzielen. So dürfte sich die Spreu vom Weizen trennen.

Wie sehen Sie die Marktrotation hin zu zyklischen- und Substanzwerten?

Ich möchte vorausschicken, dass wir „Stock Picker“ sind. Wir analysieren die Unternehmen, in denen wir anlegen, gründlich. Allerdings geben wir nicht vor, in der Lage zu sein, die Marktentwicklung vorherzusagen, von der Stilrotation ganz zu schweigen. Wir bemühen uns um ein ausgewogenes Portfolio mit einem Marktbeta nicht weit von 1; wir setzen also nicht auf einen Anstieg oder Rückgang des Marktes. Was den Stil betrifft, können wir nicht immer neutral sein. Unser Ansatz ist eher qualitätsorientiert. Die Marktbedingungen der jüngsten Zeit haben eine derartige Qualitätsorientierung nicht unbedingt billig gemacht, besonders wenn man berücksichtigt, dass der Markt Unternehmen bevorzugte, deren Qualität wir für minderwertig halten – die Unternehmen, die im Jahr 2020 zurückblieben und diejenigen, die hoch verschuldet waren.

Was die Rotation hin zu Substanz- und zyklischen Werten betrifft, so sind wir davon überzeugt, dass eine nachhaltige Erholung der Substanzwerte stark von der Zinsentwicklung abhängt, und damit von den langfristigen Inflationserwartungen. Ich möchte aber wiederholen, dass unser Portfolio zum Ziel hat, dank der Fundamentaldaten der Unternehmen Outperformance zu erwirtschaften, und nicht aufgrund makroökonomischer Entwicklungen.

Wir haben sorgfältig ausgewählte Substanzwerte hinzugefügt, aber aufgrund der jüngsten, starken Erholung vieler Unternehmen dieser Kategorie bleiben wir vorsichtig, denn wir zweifeln an ihrer Fähigkeit, diese Performance aufrecht zu erhalten. Genau wie während des letzten Jahres werden wir das Risikoprofil des Portfolios anpassen, um potenzielle Anlagegelegenheiten zu nutzen, sobald sie sich ergeben.

Wie wählen Sie vielversprechende Unternehmen für Ihr Portfolio aus?

Wir investieren in die Überzeugung, dass eine langfristig hohe Aktienrendite vor allem auf ein überdurchschnittliches, nachhaltiges Gewinnwachstum auf mittlere Sicht zurückzuführen ist. Im Wesentlichen sind wir davon überzeugt, dass die Fähigkeit eines Unternehmens, ein solches Gewinnwachstum unabhängig vom Konjunkturzyklus zu erzielen, von der Struktur der Branche bestimmt wird, in der es tätig ist und von der Position des Unternehmens in dieser Branche.

So würden wir beispielsweise einen führenden Anbieter von Halbleitern für Hersteller von Elektroautos, Windkraftanlagen und Solarpanels auswählen, denn diese Bereiche dürften mit dem Übergang zu einer CO2-freien Welt langfristiges Wachstum verzeichnen. Ein weiteres Beispiel wäre ein internationaler Nahrungsmittelkonzern, der sich von Mainstream-Produkten auf hochwertigere und gesunde Produkte umstellt.

Bei beiden Unternehmen würden wir natürlich auch die Performance im Hinblick auf umwelt-, sozial- und governancebezogene Aspekte analysieren, da wir ein Portfolio mit einem besseren ESG-Rating als die Benchmark und einem geringeren CO2-Fußabdruck als diese anstreben.

Hören Sie auch den Podcast zum Ausblick für europäische Aktien mit Peter Abbott


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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