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US-Steuerpläne stehlen Politik und Notenbank die Show

October 4, 2017 - Colin Harte, Head of Research, Active Asset Allocation, Multi Asset Solutions - Colin Graham, CFA, CAIA, CIO, Head of AAA, Multi Asset Solutions

Strategie: Amerikanische Small Caps gegenüber Large Caps jetzt übergewichtet

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Können die amerikanischen Steuerreformpläne den „Trump Trade“ wiederbeleben?
  • Fed fürchtet eine zu langsame Straffung der Geldpolitik
  • Dollaraufwertung begünstigt Small Caps

Die amerikanischen Steuerreformpläne wurden an den Märkten wieder zum Thema. Als der Kongress und die Trump-Administration ihre Konzepte vorlegten, rückten sie schnell in den Blickpunkt. Investoren begrüßten die Vorschläge, auch wenn man sich wohl erst nach monate-langen der Verhandlungen auf Einzelheiten und mögliche Steuersenkungen verständigen wird. Dennoch reichten die Pläne aus, um den US-Dollar aufwerten und die Zinsstrukturkurve steiler werden zu lassen, was wiederum günstig für amerikanische Small Caps und Finanzaktien war. Fed-Chefin Yellen deutete an, dass die Notenbank die zuletzt niedrige Inflation ignorieren und bei der geplanten Normalisierung der Geldpolitik bleiben werde, sodass die US-Staatsanleiherenditen stiegen. Für Emerging-Market-Aktien war dies ungünstig – ebenso wie für Gold. Die beiden Assetklassen waren die schwächsten der letzten Woche (vgl. Abbildung).

Katalonien verlebte ein unruhiges Wochenende, da die spanischen Zentralbehörden die Polizei ins Land schickten, um das für illegal erklärte Unabhängigkeitsreferendum zu stoppen. Dies könnte der Beginn eines Verfassungskonflikts zwischen Katalonien und dem spanischen Staat sein und dem angeschlagenen Premierminister Rajoy weitere Probleme bereiten. Vor dem Hintergrund der britischen Bemühungen um einen EU-Austritt nach dem Brexit-Votum und dem anhaltenden Populismus in Europa könnte Kataloniens Entschlossenheit zur Sezession uner-wartete Folgen für die Finanzmärkte haben – und vor allem für den Euro.

Zu Wochenbeginn hatte der japanische Premierminister Shinzō Abe überraschend Neuwahlen ausgerufen, nachdem seine Beliebtheitswerte aufgrund seiner harten Haltung gegenüber Nordkorea gestiegen waren. Zurzeit dürfte ihm die Wiederwahl keine großen Schwierigkeiten machen, auch wenn der populäre Gouverneur von Tokio einer neuen Partei beigetreten ist, deren Zustimmungswerte steigen und die die Hegemonie der regierenden LDP infrage stellen könnte.

WIRD DER TRUMP TRADE MIT DER US-STEUERREFORM ZURÜCKKEHREN?

Die lang erwarteten Steuervereinfachungspläne der Trump-Administration enthielten kaum Überraschungen. Die wichtigsten Punkte sind eine geplante Unternehmenssteuersenkung von 35% auf 20%, vereinfachte Abschreibungsregelungen für Investitionen, eine Einmalsteuer für Unternehmen, die Auslandsgewinne repatriieren und niedrigere Steuern für Privatpersonen. Mit Einzelheiten hielt man sich aber zurück. Außerdem müssen die Pläne erst noch im Kongress debattiert werden, sodass eine Umsetzung vor dem Jahresende unwahrscheinlich ist.

Die Marktteilnehmer goutierten aber die Ankündigungen. Wie schon erwähnt, war der Trump Trade (also die Hoffnung auf steigende Kurse durch eine wachstumsfreundliche Politik) für die meisten Assetklassen lange vorbei, da viele Initiativen der neuen Administration gescheitert waren. Neue Pläne konnten da nur positiv überraschen. Allein der Beginn von Verhandlungen zwischen Kongress und Regierung über Steuerreformen reichten aus, um den Trump Trade wiederzubeleben.

Die damit einhergehende US-Dollar-Aufwertung schadete Large Caps und großen Exporteu-ren, sodass sich Small Caps überdurchschnittlich entwickelten (vgl. Abbildung). Weiteren Auf-trieb erhielt der Trump Trade durch die Nachricht, dass die USA den kanadischen Flugzeug-hersteller Bombardier aufgrund des Vorwurfs unfairer Subventionen mit hohen Strafzöllen be-legt wird.

US-Staatsanleihen litten hingegen, da die Investoren Yellens Äußerungen als Indiz für eine straffere Geldpolitik werteten. Sie warnte vor den Risiken einer zu langsamen Leitzinserhöhung und verwies dabei auf Knappheiten am Arbeitsmarkt, die Gefahren einer zu zögerlichen Noten-bank und die Möglichkeit einer stark steigenden Verschuldung.

Nach diesen Äußerungen stieg die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezem-ber auf etwa 70%. Wenn vermutlich noch vor Monatsende Yellens Nachfolger bekanntgegeben wird, könnte dies ebenfalls für eine straffere Geldpolitik sprechen. Ein Kandidat, das frühere Boardmitglied Kevin Warsh, hat die unkonventionelle Geldpolitik bereits heftig kritisiert. Wenn er Yellens Nachfolger wird, könnte er die Normalisierung der Geldpolitik beschleunigen und damit einen Ausverkauf am Anleihemarkt auslösen.

AMERIKANISCHE SMALL CAPS GGÜ. LARGE CAPS ÜBERGEWICHTET

Unsere Long-Position in amerikanischen Small Caps gegenüber Large Caps passt zu unserer positiven Dollareinschätzung. Der schwache US-Dollar war für große US-Unternehmen besser als für kleine. Jetzt, wo sich die Währung aufgrund der stärkeren Konjunktur allmählich erholt und die Fed entschlossener ist, die Geldpolitik zu normalisieren, dürfte sich der Währungstrend umkehren. Das wäre dann gut für Small Caps, die üblicherweise binnenorientiert sind und bei einem weiteren US-Dollar-Anstieg Large Caps hinter sich lassen würden.

Gut für Small Caps sind auch die neuen Hoffnungen in die Politik von Präsident Trump. Die Marktteilnehmer hatten den Trump Trade aufgegeben, doch wie gesagt: Er könnte wieder auf-leben, insbesondere wenn die Steuergesetze tatsächlich reformiert werden. Die geplante Un-ternehmenssteuerreform dürfte gut für Small Caps sein, da viele größere Unternehmen schon jetzt niedrigere Steuern zahlen.

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