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US-Dollar-und britisches Pfund Geldmärkte verfügen trotz Fokus auf Liquidität noch über Potenzial

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BNP Paribas Asset Management
 

Die Zentralbanken stellten den Volkswirtschaften angesichts der konjunkturellen Folgen der durch COVID-19 ausgelösten Gesundheitskrise reichlich Liquidität zur Verfügung. Ein Prozess, der für rückläufige Zinsen – und absolute Renditen – sorgte. Aber wie Philippe Renaudin, Head of Global Money Markets, in diesem Interview Daniel Morris, Senior Investment Strategist, mitteilt, bieten die Geldmärkte bei sorgfältiger Auswahl und Diversifizierung immer noch Potenzial für wettbewerbsfähige Erträge.

Daniel Morris: Wir wollen zunächst den US-Geldmarkt betrachten, wo die Federal Reserve (Fed) kürzlich einen aktualisierten geldpolitischen Rahmen veröffentlichte, um sich der neuen wirtschaftlichen Lage anzupassen. Welche Reaktionen auf die Entwicklungen können wir jetzt seitens der Fed erwarten? Der neue Rahmen bedeutet, dass weder Arbeitslosigkeit noch fiskalische Anreize in Zukunft Gründe für eine Erhöhung der Zinsen sein werden.

Was die Inflation betrifft, so wird die Fed einen Anstieg über ihr Ziel hinaus von 2% zulassen, um im Laufe der Zeit eine durchschnittliche Inflation von 2% zu erreichen. Für die Zinsen bedeutet das, dass man davon ausgehen darf, dass sie noch länger niedrig bleiben werden. Darüber hinaus dürfte auch die quantitative Lockerung (Eng: Quantitative Easing, QE, d. h. der Kauf von Anlagen, um der Volkswirtschaft Barmittel zuzuführen) fortgesetzt werden. In Bezug auf die Anlageklassen ist ein solches Vorgehen riskanten Anlagen wie Aktien und Gold zuträglich. Der US-Dollar hat dagegen unter der Kombination aus höherer Inflation und niedrigen Leitzinsen zu leiden.

Wie sieht es nach den Turbulenzen im März an den US-Dollar Geldmärkten aus?

Philippe Renaudin: Im Allgemeinen haben die großen Zentralbanken wie die Fed gute Arbeit geleistet, indem sie die Märkte beruhigten und nach den Marktturbulenzen im Frühjahr Liquidität zur Verfügung stellten. Die Fed beteiligte sich aktiv am Markt und sorgte für Liquiditätsspritzen, was zu niedrigen Renditen in US-Dollar und geringen Renditeabständen führte. Einlagenzertifikate (Eng: Certificates of Deposit, CD) werden jetzt beispielsweise zu 15 Basispunkten gehandelt – ein Bruchteil der auf dem Höhepunkt der Krise im März verzeichneten 80-100 Basispunkte. Für emittierte Papiere von US-Banken und Unternehmen mit einer Laufzeit von drei Monaten betragen die Kosten also nur 0,15% im Vergleich zu 1% vor einem halben Jahr.

 

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Wie positionieren Sie Ihre US-Dollar Geldmarktstrategie?

Philippe Renaudin: Uns ist es wichtig, liquide Papiere zu kaufen, die 30-40% unserer Portfolios ausmachen. Dieser Anteil wird in Bankeinlagen mit Renditen nahe am Fixing der Fed Funds angelegt. Den Rest legen wir in Papieren mit anderen Laufzeiten an – besonders von Banken, weil diese vor allem im Laufzeitenbereich zwischen drei und sechs Monaten sehr aktiv sind. Das sind derzeit unsere bevorzugten Wertpapiere. Dank dieser Allokation konnten wir eine positive tägliche Rendite bieten, und wir sind zuversichtlich, dass wir noch einige Monate positive Werte bieten können.

Wie sieht Ihr Ausblick für die Zinsen in Europa aus?

Daniel Morris: In der Eurozone rechnen wir nicht mit wesentlichen Veränderungen, vor allem nach der jüngsten Entscheidung der EZB, die Orientierung ihrer Geldpolitik unverändert zu lassen. Wir sind dagegen davon überzeugt, dass die Geldpolitik in Großbritannien in der absehbaren Zukunft locker bleiben muss, nicht zuletzt, weil sich bei der Haushaltspolitik wohl schon bald eine Konsolidierung abzeichnen wird, und auch angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und größeren Unsicherheit im Hinblick auf die zukünftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU. Wir rechnen damit, dass die Bank of England (BoE) ihre geldpolitische Lockerung verstärken wird, anstatt die Zinsen deutlich auf unter Null zu senken. In Abhängigkeit von der Konjunkturentwicklung besteht in der Zwischenzeit Spielraum für eine geringfügige Senkung auf 0%, allerdings nicht vor November, wahrscheinlich sogar erst in 2021.

 

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Wie sieht es mit dem Sterling-Geldmarkt aus? Wie können negative Renditen vermieden werden?

Philippe Renaudin: Ähnlich wie die Fed stellte auch die BoE während der Krise umfangreiche Liquidität zur Verfügung; die Marktzinsen blieben nahe bei Null und die Renditeabstände verengten sich sehr stark. Die Volatilität ist am Markt von Großbritannien jetzt geringer als am US-Markt; die Zinsen von Finanzinstrumenten aller Art liegen zwischen 0 und 20 Basispunkten. Der Druck auf die Zinsen hielt an: Der Zinssatz für UK-T-Bills mit einer Laufzeit von drei Monaten lag kürzlich bei -1 Basispunkten.

Unter solchen Umständen ist es schwer, für Geldmarktströme positive Renditen zu erzielen. An den ausstehenden Beträgen und der Zahl der Emittenten gemessen, ist der Markt von Großbritannien, so dass es zur Herausforderung wird, ein gut diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Trotzdem können wir am Markt Zinsen von fast 5 Basispunkten auf Einlagen beobachten. Ich möchte noch einmal betonen, dass wir uns auf liquide Instrumente konzentrieren, besonders auf Festverzinsliche. Wir sind davon überzeugt, dass die Liquidität des Marktes durch weitere Maßnahmen der BoE zunehmen wird. Wir bleiben vorsichtig, da es zu einem harten Brexit oder neuen Entwicklungen in der COVID-19-Krise kommen könnte.


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Verwahrung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.