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Wie kann die Anlagebranche auf die Biodiversitätskrise reagieren?

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BNP Paribas Asset Management
 

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Der Schutz der Artenvielfalt unseres Planeten ist für den Finanzsektor wichtiger denn je. Anlässlich des Internationalen Tages der Artenvielfalt untersucht ESG-Analyst Robert-Alexandre Poujade, in welchen Bereichen Anleger etwas bewirken können.

Die meisten Naturdokumentationen zeigen heute, dass die Artenvielfalt in eine Krise geraten ist. Die am 5. Juni beginnende UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen, die eine Frist bis 2030 setzt, um dem Verfall der Ökosysteme Einhalt zu gebieten und die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) zu erreichen, lässt uns nicht viel Zeit zum Handeln.

Die 2010 gesetzten Ziele zum Artenschutz wurden allesamt durch die Regierungen verfehlt. Die Aufschiebung der ursprünglich für Oktober letzten Jahres geplanten UN-Biodiversitätskonferenz (COP 15) um ein Jahr macht es noch wichtiger, dass der private Sektor zur Lösung des Problems beiträgt.

Dafür gibt es gute Gründe. Abgesehen vom intrinsischen Wert biologisch vielfältiger, funktionierender Ökosysteme, unterstützen sie viele unserer Aktivitäten. Der wegweisende Dasgupta Review on the economics of biodiversity des Vereinigten Königreichs zeigt, dass unser langfristiger Wohlstand davon abhängt, unsere Nutzung von Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung, Hochwasserschutz und CO2-Sequestrierung und die Fähigkeit der Natur, sie zu liefern, abhängt.

Funktionierende Ökosysteme mit einer großen Artenvielfalt verfügen nicht nur über einen inneren Wert, sondern unterstützen auch viele unserer Aktivitäten. Der bahnbrechende Dasgupta-Bericht zur Ökonomie der Artenvielfalt des gleichnamigen britischen Wirtschaftswissenschaftlers zeigt, dass unser Wohlstand auf lange Sicht von der ausgewogenen Nutzung der Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung, Hochwasserschutz und CO2-Sequestrierung und der Fähigkeit der Natur, diese zur Verfügung zu stellen, abhängt.

Der Bericht von Natural Capital Finance Alliance, Beyond ‘Business as Usual’: Biodiversity Targets and Finance (Eingefahrene Verhaltensmuster ändern: Biodiversitätsziele und Finanzen) weist darauf hin, dass die Hälfte des weltweiten BIP zumindest in gewissem Maße auf Ökosystemdienstleistungen beruht. Die Verschlechterung dieser Dienstleistungen führt für Finanzinstitute zu bedeutenden finanziellen Risiken, die von niedrigeren Erträgen über Ausfallrisiko bis hin zu höheren Prämien für Haftpflichtversicherungen reichen. Kurz gesagt würde der Zusammenbruch der Ökosysteme zum Zusammenbruch der Wirtschaft führen.

Worauf sollten wir uns konzentrieren?

Diese Risiken bieten Gelegenheiten. Der Finanzsektor kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die für den Schutz und die Wiederherstellung der Ökosysteme benötigten Billionenbeträge an die richtigen Stellen zu leiten. Das kann viele weitere Vorteile haben. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Schutz der Biodiversität Hand in Hand mit einer wirksamen Minderung des Klimawandels und Anpassungsbemühungen gehen kann.

Diagramm 1: Unternehmen und die Märkte, die sie betreiben und von Biodiversität und Naturkapital abhängig sind

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Quelle: Natural Capital Financial Alliance, nach Natural Capital Coalition et al. 2018

Der Beitrag von Finanzdienstleistungsunternehmen kann darin bestehen, den Schutz der Artenvielfalt in umfassendere Finanzstrategien einzubeziehen, aber auch die Festlegung von Biodiversitäts-Offenlegungs-, Berichterstattungs- und Verlustzielen – insbesondere für vorrangige Branchen, die entweder von einer funktionierenden biologischen Vielfalt abhängig sind oder deren Aktivitäten sie erheblich beeinflussen.

Die Natural Capital Finance Alliance betrachtet folgende Sektoren für Anleger als prioritär:

  • Landwirtschaftliche Erzeugnisse
  • Bekleidung, Accessoires und Luxusgüter
  • Brauereien
  • Vertrieb
  • Stromversorger
  • Unabhängige Stromerzeuger und Energiehändler
  • Bergbau
  • Öl- und Gasexploration und -produktion
  • Öl- und Gasspeicherung und -transport

Eine angemessene Integration der biologischen Vielfalt in die Leistungsmessung nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien und die ESG-Berichterstattung kann dazu beitragen, Fehlallokationen von Kapital zu verhindern. Initiativen wie die kommende Taskforce für naturbezogene Finanzinformationen können weitere Unterstützung bieten.

Anleger finden in den verschiedenen Ökosystemen interessante Gelegenheiten:

Leben zu Lande

Der Bodennutzungsdruck durch Aktivitäten wie die Nahrungsmittelproduktion, die im Mittelpunkt des SDG 15 der Vereinten Nationen stehen, kann die biologische Vielfalt in terrestrischen Ökosystemen erheblich beeinträchtigen. Chatham House stellt fest, dass das globale Ernährungssystem die Hauptursache für den Verlust von Lebensräumen ist.

Darüber hinaus gibt es Folgewirkungen – Forschungsergebnissen zufolge sollen die gesamten globalen Ernährungssysteme für 34 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich sein, die wiederum durch die Beschleunigung der Klimaerwärmung die Biodiversität beeinträchtigen.

Es gibt Möglichkeiten, das globale Ernährungssystem besser zu machen. Technologie kann hier eine wichtige Rolle spielen – so könnten Unternehmen beispielsweise mit Hilfe von Satellitendaten den Beitrag ihrer Lieferanten zur Entwaldung überprüfen. Eingriffe können die Wiederherstellung abgeholzter, tropischer Wälder beschleunigen und so die schnellere CO2-Sequestrierung ermöglichen. Drohnen können Waldgebiete kartieren und sogar deren Wiederherstellung unterstützen, indem sie Samen abwerfen.

Die Rückverfolgbarkeit in der Nahrungsmittelkette ist ebenfalls ein Gebiet, auf dem es umfassende Innovationen gibt. Bei Produkten wie Kaffee kann Lieferkettenverfolgung Verbrauchern und anderen Beteiligten helfen, die Produzenten und deren Nachhaltigkeitspraktiken zu identifizieren und gleichzeitig die Transparenz erhöhen.

Die Art, aus der wir unsere Energie gewinnen, kann sich umfassend auf die Artenvielfalt auswirken – selbst erneuerbare Energien können einen Einfluss haben. So zeigten aktuelle Forschungsergebnisse, dass beispielsweise Solarfarmen so integriert werden können, dass sie sich positiv auf die Artenvielfalt vor Ort auswirken.

Unter der Oberfläche

Aquatische Ökosysteme, auf die sich SDG 14 bezieht, haben unter Umweltverschmutzung, Erwärmung und Überfischung zu leiden. Es ist wichtig, den durch diese Faktoren entstehenden Druck zu reduzieren: Die Ozeane liefern Nahrung für Milliarden Menschen, und die in ihnen lebenden Arten tragen durch ihre wichtige Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf dazu bei, die Temperatur auf der Erde zu regulieren.

Während sich umfassende, globale Initiativen wie das High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy bemühen, überall in der Welt Küstenökosysteme zu regenerieren, bieten sich Chancen für Investoren in Bereichen wie Reduzierung von Kunststoffabfällen, Offshore-, Wind-, Wellen- und Gezeitenenergie, nachhaltige Aquakultur und alternative Schiffsantriebstechnologien.

Der Erhalt von Lebensräumen wie z. B. Seegraswiesen kann Artenvielfalt und CO2-Sequestrierung fördern. Derartige Ökosysteme können interessanterweise Ökosystemdienstleistungen wie das Entfernen von Plastik aus dem Ozean bieten. Es gibt Möglichkeiten, die Kunststoffproduktion zu reduzieren oder Technologien zu entwickeln, die verhindern, dass Wasserstraßen Kunststoffe und Mikroplastik in den Ozean bringen.

In unseren Städten

Die Begrünung von Städten, in denen der Großteil der Weltbevölkerung lebt, kann die CO2-Sequestrierung unterstützen und gleichzeitig die Luft in der Stadt und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Forschungsergebnissen zufolge könnte mangelnde Artenvielfalt in Städten die menschliche Gesundheit beeinträchtigen, indem sie die Zahl der Mikroben einschränkt, mit denen jeder einzelne Mensch in Kontakt kommt und so die Fähigkeit des Immunsystems, Krankheiten abzuwehren, beeinträchtigt. Der Erhalt der Biodiversität hat also auch Vorteile für die Gesundheit.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Luftqualität zu verbessern und operativen und verkörperten Kohlenstoff durch natürliche und technologische Mittel im Bau- und Verkehrssektor zu reduzieren.

Dies sind nur einige der Bereiche, in die der Finanzsektor Kapital verlagern kann. Um den Verlust der Artenvielfalt zu bekämpfen, ist es von entscheidender Bedeutung, den Menschen auf der ganzen Welt und den Arten, mit denen sie sie teilen, eine bessere Umwelt zu bieten

Weitere Informationen zu den großen Herausforderungen und interessanten Gelegenheiten, die der Verlust der Artenvielfalt mit sich bringt, finden Sie in Sustainable by nature: our biodiversity roadmap (Von Natur aus nachhaltig: Unsere Roadmap zur Biodiversität).


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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