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Wöchentliches Investment Update – 14. Oktober 2020 – Kommt die blaue Welle?

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BNP Paribas Asset Management
 

Deprimierende Wirtschaftsnachrichten und steigende COVID-19-Fallzahlen bedrückten die Marktstimmung. Wir sehen die mittelfristige Entwicklung der Aktien weiterhin positiv. Sollten die Demokraten am 3. November die US-Wahl gewinnen und dazu auch noch die Kontrolle über den Senat erhalten, könnte das u. a. reflationäre fiskalische Stimulusmaßnahmen zur Folge haben.

COVID-19 Update – Europa im Kampf gegen die Pandemie

Die Zahl neuer COVID-19-Fälle steigt in Europa weiterhin alarmierend schnell. Die Regierungen reagieren mit zahlreichen Maßnahmen, wollen jedoch neue Lockdowns vermeiden. In den Niederlanden, wo sich die COVID-19-Fallzahlen in den letzten vierzehn Tagen verdoppelt haben, kündigte die Regierung einen teilweisen Lockdown an. Mindestens vier Wochen lang müssen Cafés, Bars und Restaurants geschlossen bleiben. Der Erfolg dieser Maßnahme soll nach zwei Wochen bewertet werden. Sollte aber die Regierung zu dem Schluss kommen, dass dieser unzureichend ist, könnte ein vollständiger Lockdown folgen.

In Frankreich wird erwartet, dass Präsident Macron heute Abend strengere Maßnahmen ankündigt, obwohl die Regierung alles daran setzt, einen zweiten Lockdown zu vermeiden.

Nach einem deutlichen Anstieg der Zahl der Neuinfektionen (4.122 gestern), warnte in Deutschland das Robert Koch Institut, die zentrale Einrichtung der Regierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention, vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus.

Im Vereinigten Königreich stieg die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von COVID-19 ebenfalls stark, aber wie in anderen europäischen Ländern bleibt auch hier die Zahl der Todesfälle deutlich unter den im Frühjahr verzeichneten Werten. Auch die Zahl der Krankenhauspatienten, die ein Beatmungsgerät benötigen, ist wesentlich geringer als im Frühjahr.

Nicht zuletzt mussten zwei US-Pharmakonzerne ihre Tests von experimentellen Medikamenten gegen COVID-19 wegen Sicherheitsbedenken stoppen. Für die Hoffnung, dass die Pandemie schon bald mit Hilfe von Medikamenten unter Kontrolle gebracht werden könnte, ist das ein Rückschlag.

Trübsal an der wirtschaftlichen Front

Der Internationale Währungsfonds (IWF) veröffentlichte gestern seine zweimal jährlich erscheinenden weltwirtschaftlichen Aussichten (World Economic Outlook). Der IWF rechnet nach der Krise mit einer „langen, ungleichmäßigen und ungewissen“ Erholung.

Das weltweite Konjunkturwachstum wird laut IWF dieses Jahr negativ sein und den niedrigsten Wert seit der Großen Depression der 1930er Jahre erreichen. Auch die Aufwärtskorrektur des Wachstumsausblicks des IWF für 2020 konnte an dieser negativen Prognose nichts ändern. Diese ist der Tatsache zu verdanken, dass die Rezession im zweiten Quartal schwächer ausfiel als befürchtet, da sich manche Länder nach Aufhebung der Lockdowns schneller erholten als erwartet. Der IWF rechnet jetzt für 2020 mit einem Rückgang der Weltwirtschaft um 4,4 % anstatt der noch im Juni prognostizierten 5,2 %.

Die jüngste monatliche ZEW-Umfrage zur Anlegerstimmung verzeichnete einen starken Rückgang von 77,4 im letzten Monat auf 56,1 (ihr niedrigster Stand seit Mai). Dieser Fall war nach Aussage des ZEW-Präsidenten stärker als erwartet. Als Erklärung wird „die starke Zunahme der COVID-19-Fälle in der jüngsten Zeit“ angeführt, „die – ebenso wie zuvor der potenzielle EU-Austritt Großbritanniens ohne Handelsabkommen – zu erhöhter Unsicherheit angesichts der weiteren Konjunkturentwicklung führt.

Fiskalische Stimulusmaßnahmen weiterhin kritisch

In den USA gehen die Diskussionen zwischen Demokraten und Republikanern über fiskalische Stimulusmaßnahmen weiter. Für die Anleger war es nicht immer einfach, mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Nachdem US-Präsident Trump am 6. Oktober angekündigt hatte, die Gespräche auf Eis legen zu wollen, änderte er seine Meinung schnell und forderte ein Gesetz zur Unterstützung bestimmter Sektoren. Die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi sagte gestern, dass „umfassende Änderungen“ am vom Präsidenten vorgeschlagenen Stimuluspaket erforderlich seien.

Die Einigkeit über fiskalische Stimulusmaßnahmen bleibt in den USA ein kritisches Thema. Schließlich ist man sich einig, dass der neu angekündigte geldpolitische Rahmen der Federal Reserve (Fed) ohne fiskalische Unterstützung der US-Regierung nicht erfolgreich sein kann.

In anderen Ländern ist politische Entschlossenheit gefragt, um zu gewährleisten, dass sich die Konjunktur weiter erholt. So findet beispielsweise in Deutschland im nächsten Jahr eine Bundestagswahl statt, die Folgen für die Staatsausgaben haben könnte. Des Weiteren macht man sich Sorgen um eine eventuelle Verzögerung des Wiederaufbaufonds, mit dem die Europäische Union aufgrund der Pandemie ergriffene Maßnahmen unterstützen will. Diese Woche stehen Verhandlungen darüber auf dem Programm, wie die angemessene Verwendung der Gelder gewährleistet werden kann.

US-Wahlen – Reflationäre blaue Welle?

Weniger als drei Wochen vor den US-Wahlen am 3. November erreichte laut Umfragen der Vorsprung des ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden gegenüber Donald Trump diese Woche zum ersten Mal 10 Prozentpunkte.

Die Lage kann sich immer noch komplett ändern, aber sollte sich die öffentliche Meinung nicht stark umschlagen, wäre ein Dreifachsieg mit Joe Biden im Weißen Haus und einer demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat (eine sog. blaue Welle) wahrscheinlich. Die Finanzmärkte rechnen im Falle eines umfassenden Siegs der Demokraten mit zusätzlichen fiskalischen Stimulusmaßnahmen. Die Inflationserwartungen für fünf Jahre und die nächsten fünf Jahre für US-Treasuries sind in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen, da man fiskalische Stimulusmaßnahmen und Reflation antizipiert.

Die Verbesserung der Umfrageergebnisse von Joe Biden begann nach der Präsidentschaftsdebatte am 30. September. Der S&P 500 legte seitdem 4,2 % zu, aber erneuerbare Energien und Managed Healthcare entwickelten sich wesentlich besser, während die FAANG und die Sektoren Pharmazie, Energie und insbesondere Kohle jeweils eine Underperformance verzeichneten. Besonders erwähnenswert ist die Underperformance des Energiesektors, da die Ölpreise im Betrachtungszeitraum um 4,4 % gestiegen sind (siehe nachfolgendes Diagramm 1).

Diagramm 1: Renditen ausgewählter Industrie-Sektoren gegenüber dem S&P 500 Index seit dem 29. September

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Quelle: BNP Paribas Asset Management, Stand: 09.10.2020

 

Märkte – Die Erholung der Aktien dürfte anhalten

Die internationalen Aktien erholten sich letzte Woche – der MSCI AC World Index stieg in USD ausgedrückt um 3,6 % auf seinen höchsten Stand seit Anfang September. Die Schwellenländeraktien konnten eine leichte Outperformance gegenüber der Vergleichsgruppe aus den Industrieländern erzielen. In den USA erholte sich der S&P 500 im Laufe der Woche um 3,8 %, und der EuroSTOXX Index erreichte zum Ende der Woche ein Plus von knapp unter 3 %.

Gestern stagnierte die Erholung der Aktien, da die trübe Prognose des IWF und Nachrichten über Rückschläge bei Tests von Coronavirus-Impfstoffen die Stimmung beeinträchtigten.

Wir sehen die mittelfristige Entwicklung der Aktien weiterhin positiv. Die Konjunkturerholung hat begonnen, und auf internationaler Ebene ist nach wie vor reichlich Liquidität vorhanden. Aus fundamentaler Sicht sorgen die niedrigen Realzinsen weiterhin für hohe Bewertungen und erleichtern die fiskalische Expansion. Es besteht Spielraum für eine Umschichtung von Anleihen mit niedrigen Renditen oder geldnahen Anlagen in Aktien.


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

 

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