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Wöchentliches Investment-Update – 2. September 2020

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Marina CHERNYAK
 

Erste Anzeichen dafür, dass die europäischen Länder lernen, mit COVID-19 umzugehen. In der vergangenen Woche kündigte Jerome Powell, der Präsident der US-Notenbank, einen überarbeiteten Rahmen für die US-Geldpolitik an. Dies könnte aus unserer Sicht eine neue, potenziell inflationäre Ära einläuten. Die starke Entwicklung der Aktienmärkte seit April setzte sich auch im August fort. 

COVID-19 – ERMUTIGENDE ANZEICHEN

Anfang September gab es fast 26 Millionen COVID-19-Fälle und insgesamt 850.000 festgestellte Todesfälle.

In den USA wurden 6 Millionen Fälle – rund ein Viertel der Gesamtzahl gemäß den Zahlen der Johns Hopkins University – verzeichnet, und die Reaktion der Regierung auf das Virus ist weiterhin eines der wichtigsten Wahlkampfthemen. Angesichts der besorgniserregenden Entwicklung der Fallzahlen stand die Entwicklung des Virus in Europa in den letzten Wochen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dennoch gibt es laut der Weltgesundheitsorganisation „ermutigende Anzeichen“ dafür, dass die europäischen Länder lernen, mit dem Virus umzugehen:

„Europa hat gelernt zu identifizieren, isolieren und unter Quarantäne zu stellen… Da man inzwischen auch weiß, wie man individuelle Maßnahmen einführt, gibt es nun Gebiete in Europa, wo die zunächst schnell ansteigenden Kurven sehr schnell wieder abfielen.“

KONJUNKTURDATEN

In der letzten Woche war die Vorausschätzung der Verbraucherpreise in der Eurozone im August die wichtigste Datenveröffentlichung. Ihr zufolge besteht in der Eurozone wieder eine Deflation, denn die Inflation ging gegenüber ihrem Stand von 0,4% in Juli um -0,2% zurück.

In Zahlen ausgedrückt, ging das Tempo der Deflation der Energiepreise im August von -8,4% auf -7,8% zurück, wobei die Preise im Monatsverlauf unverändert blieben. Gleichzeitig verringerte sich das Tempo der Inflation im Bereich der Lebensmittelpreise von 2% auf 1,7% und im Dienstleistungssektor von 0,9% auf 0,7%. Die wichtigste Entwicklung war aber die Waren-Kerninflation, die zwischen 0,2% im Juni, 1,6% im Juli und -0,1% im August pendelte – ein Auf und Ab, das auf die Verschiebung des Sommerschlussverkaufs in diesem Jahr zurückzuführen war.

Die Mehrwertsteuersenkung in Deutschland hat zuletzt mit Sicherheit zur Schwäche der Kerninflation beigetragen. Angesichts des jüngsten Wertanstiegs des Euro, der großen Kapazitätsreserven der Wirtschaft und der Gefahr, dass die Inflationserwartungen sich von der Realität loslösen, bestehen jedoch gute Gründe für die Annahme, dass sie mittelfristig schwach bleibt.

POLITISCHE NACHRICHTEN

Auf der politischen Ebene markierte die letzte Woche den Beginn einer neuen Ära der US-Geldpolitik und das Ende einer politischen Ära in Japan.

Fed-Präsident Powell nutzte seine Rede auf der virtuellen Konferenz von Jackson Hole, um die wichtigsten Rückschlüsse der Strategieüberprüfung durch die US-Notenbank (Fed) vorzustellen. Die Kernaussage für Anleger ist, dass die Fed zu einem flexiblen Ziel für die durchschnittliche Inflation übergeht. In Fed-Präsident Powells Worten:

„Wenn die Inflation die Zielmarke von 2% unterschritten hat, wird durch eine geeignete Geldpolitik wahrscheinlich versucht werden, für eine gewisse Zeit die Inflation leicht über 2% einzupendeln.“

Dieser Kurswechsel war allgemein erwartet worden und seine Folgen werden vom Markt insgesamt verstanden: Die Zinsen werden wahrscheinlich noch jahrelang niedrig bleiben, weil ein Anstieg verzögert wird, um die Phase einer moderat über dem Ziel liegenden Inflation zu begünstigen. Allerdings sollten mehrere Schlüsselpunkte hervorgehoben werden.

  • Erstens gab es eine bedeutende Änderung, was den Beschäftigungsteil des Doppelmandats der Fed betrifft. Die Politik wird sich nun auf „Defizite“ statt auf „Abweichungen“ gegenüber der Vollbeschäftigung“ konzentrieren. Das heißt: Die Arbeitslosigkeit kann aus Sicht der Geldpolitik nie zu niedrig sein, sofern sie nicht zu übermäßiger Inflation beiträgt, aber man kann zu wenig Inflation haben. Folglich ist es unwahrscheinlich, dass die Fed wieder die gleiche Strategie wie beim letzten Zinserhöhungszyklus verfolgt, denn die Arbeitslosigkeit schien zu sehr gefallen zu sein und es wurde ein baldiger Inflationsanstieg erwartet. Diese Änderung war mit Sicherheit notwendig, denn andernfalls hätten die Sorgen wegen positiver Abweichungen der Arbeitslosenquote von ihrem Höchstwert die Anstrengungen behindert, mit denen die Inflation über den Zielwert hinaus gedrückt werden soll, um den Durchschnitt wieder bei 2% zu verankern.
  • Zweitens ist der neue Rahmen flexibel: Die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed werden keinen Einschränkungen in Bezug auf eine bestimmte Formel (Zeitraum) für die Berechnung des Durchschnitts unterliegen. Wäre dies zu irgendeinem Zeitpunkt der Fall gewesen, hätte die veröffentlichte Formel ein präzises Ziel für den Gesamtanstieg des Preisniveaus in der Zukunft ergeben, das die Fed zu erreichen hätte, um den verlangten Durchschnitt unter Bezug auf die Entwicklung des Preisniveaus in der Vergangenheit zu gewährleisten. Folglich wird es schwieriger nachzuweisen, ob die Geldpolitik ex ante zu restriktiv oder zu locker ist oder ob sie ex post ein Erfolg oder ein Misserfolg war. Solch eine Flexibilität hat jedoch ihren Preis. Privathaushalte, Unternehmen und Anleger sollten weniger darauf vertrauen, dass die Fed durchschnittlich 2% erreicht, wenn es keine verpflichtende mathematische Formel gibt.

In Japan hat Premierminister Shinzo Abe seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen als Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei und als Premierminister angekündigt.

Es ist kein Geheimnis, dass Abe seit langem unter einer entzündlichen Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) leidet. Wegen dieser Erkrankung war er 2007 bereits zurückgetreten. Allerdings war seine Gesundheit und vor allem das Gerücht, er habe sich in der letzten Zeit mehrmals zur Behandlung im Krankenhaus aufgehalten, in den letzten Wochen immer öfter ein Thema in den japanischen Medien.

Shinzo Abes Bedeutung kann nicht genug betont werden. Erst vor kurzem hat er Eisaku Satō als Dienstältester japanischer Ministerpräsident abgelöst. Seine Person steht so sehr für die wirtschaftliche Strategie Japans zur Bewältigung des demografischen Wandels und Beendigung der Deflation, dass man allgemein von „Abenomics“ spricht. Abe prägte aber nicht nur die Wirtschaftspolitik, sondern auch Japans Rolle auf der Weltbühne und die Beziehungen des Landes zu den beiden Supermächten China und Vereinigte Staaten.

Abes Nachfolger wird von der Liberaldemokratischen Partei ausgewählt, die die japanische Politik maßgeblich bestimmt. Die Entscheidung wird in den kommenden Wochen fallen, und der ausgewählte Kandidat wird am 16. September vom Unterhaus des Parlaments zum Premierminister gewählt. Zurzeit gilt Yoshihide Suga als der aussichtsreichste Nachfolger von Shinzo Abe.

Wir vermuten, dass der Wechsel weniger Auswirkungen auf die makroökonomische Politik haben wird, als Anleger zunächst vielleicht befürchteten. Solange die Politik nicht bereit ist, eine erhebliche Korrektur der Wechselkurse und der Aktienkurse in Kauf zu nehmen, gibt es auf kurze Sicht wenig Alternativen zur aktuellen Strategie der Bank of Japan. Wenn überhaupt eine Veränderung erfolgt, dann eine weitere geldpolitische Lockerung. Die weitere Entwicklung der Reformbemühungen im Inland und Japans außenpolitische Schwerpunkte sind weniger klar.

MÄRKTE – AKTIEN SETZEN AUFWÄRTSTREND FORT

Im August verzeichneten die Aktienmärkte eine sehr gute Entwicklung. Der MSCI World Index, der Aktien der Industrieländer abbildet, stieg im August um 6,6%; dies war die größte August-Rally seit 1986. Der breiter gefasste MSCI All-Country World Index, der auch Schwellenländeraktien umfasst, legte im August um 6,3% zu und verzeichnete damit seinen besten August seit 1988.

Der S&P 500 Index verbesserte sich um 7,01% (bester August seit 1986 (+7,1%)), wobei er im Monatsverlauf seine Verluste, die er wegen der Pandemie angesammelt hatte, begleichte und ein Allzeithoch erreichte. Dieser Index verzeichnete im August seinen fünften monatlichen Anstieg in Folge. Für den S&P ist dies die längste Phase mit einer durchgehenden positiven Monatsentwicklung seit 1938.

Die Aktienmärkte in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien verzeichneten im August Anstiege zwischen 4% und 7% in Euro. In Asien stieg der japanische Topix Index im Monatsverlauf um 8,2% und der chinesische CSI 300 rentierte 2,6% in Lokalwährung (Quelle sämtlicher Daten: BNP Paribas Asset Management per 31.08.2020).

Angesichts dieser starken Entwicklung der Aktienmärkte bestehen Bedenken hinsichtlich einer potenziellen Diskrepanz zwischen den Marktbewertungen und dem immer noch fragilen Zustand der Weltwirtschaft.


 

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