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Wöchentliches Investment-Update – 29. Juli 2020

Blog

Marina CHERNYAK
 

Immer mehr Zeichen weisen darauf hin, dass die erneute Zunahme von COVID-19-Fällen auf der US-Konjunktur lastet. Abgesehen von der Verlängerung der Notkreditprogramme bis Ende 2020 wird diesen Monat nicht mit einer Reaktion der Federal Reserve gerechnet. Die Erholung des Goldpreises zeigt die Sorgen um eine mögliche Abwertung von Papiergeld.

Wiederaufflackern von COVID-19 in mehreren Ländern

Die Zahl der Fälle weltweit ist im Laufe der letzten Woche auf über 16,5 Millionen gestiegen, und die Zahl der Todesopfer liegt jetzt bei mehr als 660.000. Diese Werte vermitteln jedoch einen unvollständigen Eindruck von der unterschiedlichen Entwicklung der Pandemie in einzelnen Ländern und Regionen.

Die Selbstzufriedenen hat das Virus rechtzeitig daran erinnert, wie komplex es ist, eine ansteckende Krankheit ohne drakonische Maßnahmen zur räumlichen Distanzierung unter Kontrolle zu halten, denn in mehreren Ländern flackerte die Pandemie erneut auf.

Wolken am Sommerferien-Himmel

Insbesondere Spanien steht wieder im Blickpunkt, denn in mehreren Regionen wurden neue Corona-Ausbrüche verzeichnet, und die Fallzahl ist in den letzten sieben Tagen auf über 1.500 gestiegen. Die Regierung hat daher das Tragen von Gesichtsmasken überall vorgeschrieben, und in den am schwersten betroffenen Gebieten werden wieder teilweise Lockdowns verhängt. Die Probleme beschränken sich allerdings nicht auf Spanien. Deutschland meldete letzte Woche 815 neue, bestätigte Fälle an einem einzigen Tag – der größte tägliche Anstieg seit Mitte Mai. In Frankreich ist die wöchentliche Fallzahl im Vergleich zum zuletzt veröffentlichten Wert um 40 % gestiegen.

In Nordasien hat Hongkong unterdessen mit 133 neuen Fällen einen neuen Tagesrekord verzeichnet, während fast alle Krankenhausbetten belegt waren. In Japan hat die zweite Welle jetzt mit 700 neuen Fällen pro Tag, die in der letzten Woche für das ganze Land gemeldet wurden, den Spitzenwert von April überstiegen. In Australien werden die neuen Fälle wohl ebenfalls bald den Spitzenwert von März übersteigen. In Victoria, dem Bundesstaat mit der zweitgrößten Bevölkerungsdichte, wurden am Sonntag 459 Fälle registriert.

In den USA kaum ein Unterschied zwischen Juli und April

Die USA leben nach dem Motto „Zurück in die Zukunft“, denn die dortige Situation ähnelt stark derjenigen im April. Die Daten vermitteln den Eindruck, dass die Fallzahlen abschwächen, aber es könnte sich aufgrund der starken Verzögerung bei der Auswertung von Tests um einen Trugschluss handeln. Ein ehemaliger Direktor des US Centre for Disease Control (CDC) sagte, dass die Gesamtzahl der durchgeführten Tests in der Tat eine „nutzlose Angabe“ sei, da nur die Zahl der Tests, die innerhalb von 48 Stunden ein Resultat liefern, relevant sei.

Die Entwicklung der Pandemie wird unweigerlich die Konjunkturaktivität in Mitleidenschaft ziehen, egal, ob die Behörden neue Lockdowns verhängen oder nicht, denn die Menschen werden sich höchstwahrscheinlich freiwillig aus dem öffentlichen Raum fernhalten. Die häufig veröffentlichten Indikatoren zur sozialen Mobilität und Konjunkturaktivität in den USA werden mit Sicherheit vom Virus gezeichnet sein. In den Bundesstaaten, in denen sich das Virus ausbreitet, bleiben die Ausgaben hinter den Bundesstaaten zurück, in denen das Virus zurückgedrängt wird. Die von Google erstellten Mobilitätsberichte zur Coronakrise bestätigen, dass die Mobilität der Bevölkerung in den USA jetzt hinter großen westeuropäischen Ländern zurückbleibt. Es stimmt also nicht, dass die US-Bürger die Wiederankurbelung der Wirtschaft dem Schutz ihrer Gesundheit vorziehen.

Konjunkturdaten – Erholung in Europa, nachlassende Dynamik in den USA

Daten für den Einkaufsmanagerindex (PMI), eine Reihe von Unternehmensumfragen, die große Beachtung findet, zeigen, dass sich in Europa die Erholung von der Corona-Pandemie beschleunigt. Den jüngsten Umfragen zufolge hat sich die Aktivität sowohl bei Dienstleistungen als auch im verarbeitenden Sektor deutlich verbessert.

Die PMI liegen wieder über 50, ein Wert, der besagt, dass die meisten Unternehmen im Vergleich zum Vormonat eine höhere Aktivität verzeichnen.

Der kombinierte PMI der Eurozone (ein Durchschnitt der Dienstleistungs- und Verarbeitungssektoren) stieg von 48,5 im Juni auf 54,8 im Juli, wobei sich die Dienstleistungen so stark verbesserten wie zuletzt vor zwei Jahren.

Die US-Konjunktur flaut ab

In den USA scheint der Konjunkturaufschwung an Fahrt zu verlieren. Die Produktion nimmt zwar weiter zu, aber häufig veröffentlichte Indikatoren für die Verbrauchernachfrage flachen ab oder gehen sogar erneut zurück. Wenn die USA die Pandemie nicht innerhalb der nächsten beiden Monate unter Kontrolle bekommen, wird es sich hier nicht nur um eine vorübergehende Rückschlag handeln.

Ein eventuelles Stagnieren der Erholung in den USA während des Sommers könnte durch stärkere fiskalische Anreize ausgeglichen werden. Aufgrund der größeren Sorgen um den Konjunkturausblick ist es aber noch wahrscheinlicher, dass, schon bevor es soweit kommt, das neue Steuerpaket, das der US-Kongress vermutlich in den nächsten zehn Tagen verabschieden wird, den von den Republikanern vorgeschlagenen Betrag von 1 Billion USD übersteigen wird.

Neues aus der Geldpolitik – Die US Federal Reserve verlängert ihre Nothilfemaßnahmen

  • Die Fed kündigte gestern an, dass sie ihre sämtlichen Notfallkredite bis Ende des Jahres verlängern wolle anstatt sie planmäßig Ende September auslaufen zu lassen – das könnte durchaus ein Zeichen für Bedenken hinsichtlich einer Verschlechterung der Situation sein.

Die Juli-Sitzung des Federal Open Markets Committee endet heute. Wir rechnen nicht mit wesentlichen Änderungen der Fed Funds Rates, Forward Guidance, Anleihekäufe oder des Statements. Vom Vorsitzenden Powell wird auch dieses Mal ein gemäßigter Konjunkturausblick erwartet. Das dürfte die niedrigen Realrenditen in den USA stützen.

Zurückhaltung bei dieser FOMC-Sitzung könnte eine ereignisreichere Sitzung im September erwarten lassen, bei der die Fed planmäßig die Schlussfolgerungen ihrer Rahmenprüfung und entsprechende Änderungen der geldpolitischen Strategie darlegen sollte. Das könnte den FOMC veranlassen, ein durchschnittliches Inflationsziel und ergebnisorientierte Forward Guidance im Hinblick auf dieses Ziel zu verabschieden. Einer möglichen Renditekurvenkontrolle gegenüber bleibt das FOMC nach wie vor skeptisch. Damit eine solche wirklich eingeführt würde, wäre wahrscheinlich eine deutliche Konjunkturschwäche erforderlich.

  • Präsident Trump könnte eine Eskalation des Konflikts mit China herbeiführen, da er offensichtlich verzweifelt versucht, seine Beliebtheit zu erhöhen. Ein echter Handelskrieg mit wesentlich höheren Zöllen und spürbaren Kosten für die US-Verbraucher und -Unternehmen könnte allerdings für ihn ins Auge gehen. Lauteres Säbelrasseln ist zwar durchaus möglich, aber eine Rückkehr zu einem disruptiven Handelskrieg wie 2019 halten wir für unwahrscheinlich. Selbst wenn ein solcher eintreten sollte, werden die Märkte vermutlich nicht sehr heftig reagieren, da ein solcher Handelskrieg eine ruhigere (wenn auch nicht unbedingt nachgiebigere) Politik unter einem neuen Präsidenten wahrscheinlicher machen könnte.
  • In Europa sehen sich das 750 Mrd. Wiederaufbaupaket und der Siebenjahreshaushalt für die EU in Höhe von 1,1 Billionen Euro unterdessen nach wie vor beträchtlichen Hürden im Parlament der EU und einzelner Staaten gegenüber. Nach einigen lauten Einwürfen dürfte man hier aber wohl zu einer Einigung kommen.

Neues von den Märkten – Goldpreis erreicht neuen Rekord

Die Goldpreise erreichten diese Woche Rekordniveaus (siehe Diagramm 1 unten), noch über dem bisherigen Höchstwert von 1.921 USD pro Feinunze aus dem Jahr 2011. Die Nachfrage nach dem Edelmetall ist dieses Jahr gestiegen, was den Goldpreis seit Anfang 2020 um 25 % in die Höhe trieb. Die beispiellosen geldpolitischen und fiskalischen Stimulusprogramme aufgrund der COVID-19-Rezession machen Gold als Absicherung gegen eine Abwertung von Papiergeld und eskalierende politische Spannungen (z. B. US-Wahlen, Konflikt zwischen USA und China) beliebt. Gold ist ein Wertspeicher. Es bietet Anlegern kein Einkommen, was aber in einer Welt, in der sich mehr Anleihen als je zuvor durch negative Renditen auszeichnen, nicht von wesentlicher Bedeutung ist.


 

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