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Wöchentliches Investment-Update – 9. September 2020

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Marina CHERNYAK
 

Die COVID-19 Fallzahlen stiegen weiter und werden möglicherweise neue Einschränkungen erforderlich machen. Damit das neue Rahmenwerk für die US-Geldpolitik der Federal Reserve erfolgreich sein kann, sind in den USA fiskalische Maßnahmen nötig. Im Laufe einer Konsolidierungsetappe fielen die Bewertungen der US-Technologiewerte in der letzten Woche.

COVID-19 UPDATE

In der letzten Woche ist die Zahl der weltweiten COVID-19-Fälle seit Beginn des Ausbruchs auf über 27 Millionen gestiegen und die Zahl der Todesopfer erreichte 900.000. In Indien nahmen die Fälle stark zu, sodass das Land jetzt nach den USA das Land mit der zweitgrößten Fallzahl ist (zuvor war es Brasilien).

In den USA verbesserte sich die Entwicklung im Zusammenhang mit COVID-19 langsam. Die Neuinfektionen stagnierten in den letzten zwei Wochen landesweit bei knapp unter 40.000 täglich und die Todesfälle gingen auf 800 pro Tag zurück (verglichen mit fast 1 000 vor zwei Wochen). Täglich werden rund 700.000 Tests durchgeführt, im Vergleich zu 800.000 auf dem Höhepunkt der Pandemie Ende Juli. Die positiven Ergebnisse liegen bei 5,3 %, ein Wert, der nach wie vor den jüngsten Tiefstand von 4,3 % im Juni übersteigt.

Zur Erinnerung: Aufgrund der Testerfahrungen in anderen Teilen der Welt muss der Anteil der positiven Tests auf unter 5% sinken und mehrere Wochen in diesem Bereich bleiben, um eine tatsächliche Unterdrückung des Virus zu signalisieren. Was die weitere Entwicklung betrifft, so befürchten einige US-Epidemiologen, dass die Wiedereröffnung der Schulen nach der Sommerpause und die Menschenansammlungen zum Labor Day am letzten Wochenende diese positiven Trends teilweise wieder zunichtemachen könnten.

In Europa stieg die Zahl der Neuinfektionen ständig, vor allem in Spanien und Frankreich, wo die Zahl neuer Fälle inzwischen die Höchstwerte von März und April übersteigt. Frankreich meldet immer mehr COVID-19-Patienten auf Intensivstationen, und 12 französische Schulen mussten erneut schließen, nachdem sie erst letzte Woche den Schulbetrieb wieder aufgenommen hatten.

Im Vereinigten Königreich ist die Zahl der Fälle unterdessen mit mehr als 2.000 täglich auf den höchsten Stand seit Mai gestiegen. Noch vor zwei Wochen lag sie bei 1.000, sodass die Regierung jetzt Ansammlungen von mehr als sechs Menschen untersagt (verglichen mit 30 zuvor). In Deutschland schwankt die Zahl der Neuinfektionen weiterhin zwischen 1.000 und 1.300. Den größten Anteil an positiven Testergebnissen findet man in Spanien mit 9,1 % (gegenüber 7,6 % vor einem Monat), gefolgt von Frankreich (4,6 % gegenüber 1,6 % vor einem Monat) und Italien (2,3 % gegenüber 1,1 % vor einem Monat).

Sowohl in Deutschland als auch im Vereinigten Königreich liegt dieser Wert bisher unter 1,0 %. Es ist sicherlich eine gute Neuigkeit, dass mehr Tests durchgeführt werden, aber eine aktuelle Studie stellte fest, dass in England vier von fünf Patienten mit COVID-19-Symptomen keine hundertprozentige Selbstisolation durchführen. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, reicht es nicht, Tests durchzuführen, wenn Patienten mit Symptomen und/oder positiven Testergebnissen und deren Kontaktpersonen sich nicht in Quarantäne begeben.

Letzte Woche wurde bekannt, dass der Test eines COVID-19-Impfstoffs in Zusammenarbeit mit der Universität Oxford – einem der vielversprechendsten Kandidaten für die Markteinführung – unterbrochen worden sein soll. Denn eine Testperson im Vereinigten Königreich mit Symptomen, die auf Nebenwirkungen des Impfstoffs zurückzuführen sein könnten, wurde in ein Krankenhaus eingewiesen. Dies ist zwar ein Rückschlag für die bisher ermutigende Impfstoffentwicklung, aber um die Seriosität von Tests zu gewährleisten, ist es offensichtlich ein Standardverfahren, diese mindestens so lange auszusetzen, bis die Symptome untersucht wurden um festzustellen, ob sie auf die Impfung zurückzuführen sind. Eine solche Maßnahme braucht kein Anlass zur Sorge zu sein.

KONJUNKTURDATEN

Der US-Arbeitsmarktbericht für August zeigte, dass im August mehr von Kurzarbeit betroffene Arbeitnehmer an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehrten und dass die Hälfte der im Frühjahr gestrichenen Stellen inzwischen wieder besetzt ist. Die Arbeitslosenrate ging um 1,8 Prozentpunkte auf 8,4 % zurück. Solange sich die Situation im Zusammenhang mit dem Virus weiter verbessert, dürften im Laufe der nächsten Monate von Kurzarbeit betroffene Arbeitnehmer zur Arbeit zurückkehren und weiterhin für ein solides Wachstum der Beschäftigtenzahl vergleichbar mit August sorgen.

Die starken Schwankungen des Arbeitsmarktes, die dadurch hervorgerufen werden, dass Arbeitnehmer abwechselnd in Kurzarbeit gehen und wieder normal arbeiten, verbargen den weiteren Anstieg der Zahl der Dauerarbeitslosen, die jetzt über dem während der Dotcom-Rezession erreichten Stand liegt. Diese Menschen werden es wesentlich schwerer haben, denn sie müssen eine neue Stelle finden, während andere einfach an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren.

POLITISCHE NACHRICHTEN

In den USA ist die Hoffnung auf weitere umfassende fiskalische Unterstützungsmaßnahmen im Vorfeld der Wahlen offensichtlich abgeflacht. Für uns stehen die Chancen auf eine Einigung jetzt ungefähr bei zwei zu drei und sind damit im Vergleich zum Wert von drei zu vier noch vor einem Monat geringer.

Potenziell ist das ein kritisches Thema, denn man scheint sich einig zu sein, dass der neu angekündigte geldpolitische Rahmender Federal Reserve (Fed) ohne fiskalische Unterstützung der US-Regierung nicht erfolgreich sein kann. Zu dieser Feststellung kamen letzte Woche mehrere hochrangige Beamte der Fed. Governor Lael Brainard betonte beispielsweise, dass „der Umfang und der Zeitrahmen weiterer fiskalischer Unterstützung für den Ausblick wesentlich sind“. Die ehemalige Fed-Vorsitzende Janet Yellen erklärte, dass angesichts des Umfangs des Abschwungs die Geldpolitik allein nicht ausreicht. „Die Fed kann durchaus noch etwas mehr tun – ich würde vorschlagen, den Toolkit auszuschöpfen – aber in einer Situation wie dieser brauchen wir auch fiskalpolitische Unterstützung“.

Die Gesetzgeber im Kongress konnten sich vor ihrer sommerlichen Sitzungspause nicht auf ein weiteres Stimuluspaket einigen. Die Zahlungen wichtiger Sozialleistungen an die am stärksten von den durch das Coronavirus bedingten Lockdowns betroffenen US-Bürger fielen daher weg. US-Präsident Trump überbrückte diese Lücke mit vier Präsidentenerlasse, die allerdings nur für geringe Entlastung sorgten. Das Ende einiger wichtiger Sozialleistungen wie der zusätzlichen Arbeitslosenhilfe in Höhe von 600 USD pro Woche könnte sich negativ auf die Erholung der US-Konjunktur auswirken.

Der Kongress trat am 8. September wieder zusammen. Wir denken, dass zur Unterstützung der Verbraucher schnell Maßnahmen ergriffen werden müssen. Auf die umfassenden Investitionspakete, die im früheren Jahresverlauf verabschiedet wurden, haben die Haushalte allgemein positiv reagiert. Sollte man sich nicht auf weitere fiskalische Maßnahmen einigen können, werden sich die Aussichten für den Arbeitsmarkt wohl verschlechtern, und das Risiko, dass die Volkswirtschaft Narben davonträgt, dürfte zunehmen. Ersten Diskussionen zufolge könnte das nächste Steuerpaket 2 Billionen USD erreichen.

Neben derartigen fiskalischen Maßnahmen suchen die Märkte nach Hinweisen darauf, dass der Gesetzgeber an anspruchsvollen Investitionsmaßnahmen auf längere Sicht (einschließlich Infrastruktur) arbeitet. Das Risiko besteht darin, dass falls die Realwirtschaft in den USA weiterhin hinter der Entwicklung der Finanzmärkte zurückbleibt, der Fed die Schuld für zunehmende Ungleichheit und eventuelle finanzielle Instabilität zugewiesen werden könnte. Die Unterstützung des Kongresses ist unentbehrlich, damit der neue geldpolitische Rahmen der Fed erfolgreich sein kann.

In Europa hält der EZB-Rat morgen (10. September) seine geplante geldpolitische Sitzung ab, auf die eine Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden der Zentralbank folgt. Unserer Meinung nach wird es die EZB bei guten Worten belassen: Vermutlich wird sie darauf hinweisen, dass der Rat den Ausblick aus nächster Nähe mitverfolgt und betonen, dass alle Optionen denkbar sind. Wir rechnen dagegen nicht mit geldpolitischen Maßnahmen oder mit einer Zusage, bis Dezember etwas zu ändern.

MÄRKTE – KORREKTUR DER TECHNOLOGIEWERTE

Die US-Technologiewerte erlebten letzte Woche ihren stärksten Ausverkauf seit März. Der Nasdaq 100 Index ging gestern am dritten Tag in Folge zurück und muss inzwischen eine Korrektur hinnehmen (d. h., einen Rückgang um mehr als 10 % gegenüber einem jüngsten Höchststand). Die europäischen Aktien blieben dagegen widerstandsfähig, und der Ausverkauf beschränkte sich auf US-Technologiewerte. Unter Berücksichtigung der vorherigen Erholung der Technologiewerte liegen die Indizes nach dieser Korrektur immer noch auf Niveaus, wie sie vor nur einem Monat verzeichnet wurden.

Auf den Rentenmärkten wägte man weiterhin die Folgen des neuen geldpolitischen Rahmens der Federal Reserve ab. Die Konditionen auf dem Markt zeigen offensichtlich Zweifel an der Fähigkeit der Fed, für Inflation zu sorgen, ganz zu schweigen von einem durchschnittlichen Niveau von 2 % im weiteren Verlauf (wie in der neuen Strategie erwähnt).

Bei Ankündigung des neuen geldpolitischen Rahmens stiegen die Renditen von US-Treasuries mit längeren Laufzeiten zunächst stark, was die Angst davor zeigte, dass der reelle Wert der festen Zinszahlungen auf die Anleihen durch Inflation beeinträchtigt werden könnte. Die Dynamik des Ausverkaufs flaute allerdings ab. Five-Year Forward Inflation Swaps, die die durchschnittlichen Inflationserwartungen in fünf Jahren für die darauffolgenden fünf Jahre messen, werden zu rund 2 % gehandelt.

Die 10-jährige US-Breakeven-Inflationsrate, die an den Inflationserwartungen der Anleger über diesen längeren Zeitraum deutlich werden, stagnierte bei unter 1,8 %. Vor diesem Hintergrund wird man die Diskussionen um weitere fiskalische Maßnahmen im Kongress voraussichtlich aufmerksam verfolgen.


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

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