Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel
Parked light aircrafts shutterstock 1135883201

Wöchentliches Investment Update – der Anstieg gerät ins Stocken

Blog

Daniel MORRIS
 

-

Beim Ausverkauf der US-Treasuries kehrte sich die Tendenz im Laufe der letzten Woche um: Die Rendite zehnjähriger Anleihen fiel gegenüber ihrem Intraday-Höchststand von 1,75 % am 18. März. Für den Rückgang waren hauptsächlich rückläufige Realrenditen verantwortlich, denn die Inflationserwartungen blieben weitgehend unverändert. Hinzukommend war eine Trendwende bei der jüngsten Outperformance von Value-Aktien gegenüber Wachstumsaktien zu verzeichnen.

Die Trendwende für die Renditen der US-Treasuries trat ein, weil die US Federal Reserve (Fed) zu verstehen gab, dass ihr der Renditeanstieg keine großen Sorgen bereite. Der Anstieg ermöglicht ein stärkeres Konjunkturwachstum – und damit höhere Realrenditen. Ebenfalls dürfte dies zu höheren Inflationserwartungen führen, was das Ziel der Fed ist.

Die Erwartung steigender Leitzinsen in den USA war jedoch weniger zu begrüßen. Die Botschaft lautet hier, dass der Markt übereifrig ist in der Annahme, dass die Federal Funds (Fed Funds) Rate so stark und so schnell steigen würde, wie es die Futures-Märkte widerspiegeln.

Diese Haltung wurde durch die Veröffentlichung des “Dot Plot” der Fed, der die von den geldpolitischen Entscheidungsträgern in den nächsten zwei Jahren erwartete Fed Funds Rate zeigt, noch bekräftigt. Nur sieben von 18 Zentralbanken gehen davon aus, dass die Leitzinsen vor 2023 steigen könnten.

Hat die Fed mit ihrer Botschaft beim Markt das gewünschte Ziel erreicht?

Die Reaktion des Marktes überraschte: Die Erwartungen höherer Zinsen gingen nicht zurück, sondern nahmen zu (siehe Diagramm 1). Diese Entwicklung spiegelt vielleicht die Skepsis des Marktes wider, dass die Fed wirklich standhaft bleibt und ihre Geldpolitik nicht strafft, wenn die tatsächliche Inflation in diesem Sommer steigt.

Die Umkehrung der US-Renditen ging mit einer Underperformance von US-Value-Aktien gegenüber Wachstumsaktien einher (siehe Diagramm 2). Die europäischen Value-Aktien zeigten sich etwas widerstandsfähiger, da sie zuvor einen geringeren Anstieg verzeichnet hatten

Im Gegensatz zur Fed, die sich geringere Sorgen um den Anstieg der US-Marktzinsen macht, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Anleihekäufe erhöht, um einen zu starken Anstieg der Renditen in der Eurozone zu verhindern.

Diagramm 1 - Fed Funds-Futures nehmen Fahrt auf

Diagramm 2 - Relative Performance im Vergleich zu Value-Aktien und Wachstumsaktien sowie US-Staatsanleihen

Die wichtigste Dynamik an den Aktienmärkten bleibt die Rotation von Wachstumsaktien in Richtung Value-Aktien, und nicht von defensiven in Richtung zyklischer Aktien oder sogar von Large Caps in Richtung Small Caps. Seit am 15. Februar der jüngste Anstieg der US-Treasury-Renditen begann, bleibt die Performance der Wachstumsindizes deutlich hinter derjenigen der Valueindizes zurück, während der Unterschied beim Vergleich anderer Paare geringer ausfällt.

Die europäischen Aktien konnten die US-Aktien übertreffen, obwohl die Wachstumserwartungen zwischen den beiden Regionen immer stärker voneinander abweichen. Die Outperformance war nicht der höheren Rendite der europäischen Value-Aktien zu verdanken; wie bereits erwähnt, blieben die Europäischen hinter den US-Value-Aktien zurück. Der Grund war vielmehr die Widerstandsfähigkeit der europäischen Wachstumsaktien, deren Exposure gegenüber dem zinssensitiven Technologiesektor geringer ist als in den USA.

Diagramm 3 - Indexrenditen seit dem 15. Februar 2021

Besserer Konjunkturausblick

Die Konjunkturdaten fielen in der jüngsten Zeit allgemein besser aus als erwartet, besonders die Flash-Einkaufsmanagerindizes für März. Die Einkaufsmanagerindizes (Purchasing Manager Indices, [PMIs]) für den verarbeitenden Sektor sind inzwischen seit mehreren Monaten stark, denn die Lockdowns haben die Verbraucher nicht daran gehindert, über das Internet Waren zu kaufen, und diese Waren müssen produziert werden. Die PMIs für den Dienstleistungssektor waren allerdings mit Ausnahme der USA rückläufig.

Die Flash-Daten zeigen, dass die Volkswirtschaft von Großbritannien wieder den positiven Bereich erreicht, obwohl die Eurozone nach wie vor zurückbleibt (siehe Diagramm 4). Auf kurze Sicht wird dieser Indikator für die Eurozone wahrscheinlich schwach bleiben, denn viele Länder verstärken die Einschränkungen wegen einer drohenden dritten COVID-Welle. Der mittelfristige Ausblick bleibt jedoch optimistisch. Die Durchführung von Impfkampagnen dürfte es den Ländern letztendlich ermöglichen, die Lockdown-Beschränkungen zu beenden.

Diagramm 4 - PMIs nehmen größtenteils Fahrt auf

Rückgang des US-Einzelhandelsumsatzes

Eine der größten Überraschungen bei den Daten war der US-Einzelhandelsumsatz (ohne die Automobilbranche und Erdöl). Dieser blieb mit -3,3 % gegenüber dem Vormonat hinter den Erwartungen zurück, die von einem Rückgang um nur 0,5 % ausgingen. Eine Aufwärtskorrektur des Umsatzwachstums im Vormonat von 6,1 % auf 8,5 %, ohne die der gleitende Zwei-Monats-Durchschnitt nur um 0,2 % niedriger wäre, erklärt dies zumindest teilweise.

Eine weitere Erklärung für die eher gedämpften Ausgaben ist die Tatsache, dass die kürzlichen finanziellen Mittel der Regierung eher gespart als ausgegeben werden. Zumindest ein Teil dieses Geldes ist offensichtlich in Aktien geflossen.

Die Kapitalströme in die meisten Regionen waren in den letzten Wochen positiv, obwohl sie in gewissem Maße lediglich eine Umkehrung der am Anfang des Jahres verzeichneten Abflüsse darstellen (siehe Diagramm 5). Die Kapitalströme der letzten Woche waren insofern bemerkenswert, als zum ersten Mal seit fast einem Jahr Zuflüsse zu Aktienfonds und Abflüsse aus Anleihefonds verzeichnet wurden.

Diagramm 5 - Aktienfondsströme


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

Mehr zu diesem Thema