Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel
ship in the port from above 1600x900

Wöchentliches Investment Update – die Inflation steigt überall

Blog

BNP Paribas Asset Management
 

-

Immer mehr Volkswirtschaften werden wieder geöffnet, und verlässliche Daten zeigen, dass die zyklische Erholung von der Lockdown-bedingten Trägheit gut voranschreitet. Zeichen für eine steigende Inflation weltweit werden jedoch die Nerven der Anleger auf die Probe stellen, denn diese wissen nicht genau, ob der Preisdruck vorübergehender Art sein wird oder neue Rahmenbedingungen ankündigt.

COVID-19 – Verbesserung in vielen Ländern

Obwohl die täglichen Zahlen neuer COVID-19-Infektionen weltweit nicht weit von ihren Rekordhochs entfernt sind, hat in den meisten Industrieländern ein Rückgang eingesetzt. Großbritannien verfügt derzeit über die niedrigste Infektionsrate unter den großen europäischen Ländern; die Hälfte der Bevölkerung wurde bereits geimpft. Bisher haben in Großbritannien auch neue Fälle, die auf die indische Variante zurückzuführen zu sein scheinen, nicht gegenteiliges bewirkt.

Die Situation in Indien bleibt jedoch eine Ausnahme: Sie ist derzeit für rund die Hälfte der neuen Fälle weltweit verantwortlich. Auch in Thailand, Malaysia und Südafrika steigt die Zahl der neuen Fälle, während die dortigen Impfprogramme gerade erst Fahrt aufnehmen.

In der Eurozone führen die jüngste Beschleunigung der Impfkampagnen und der deutliche Anstieg der verfügbaren Menge an Impfstoff im zweiten Quartal zur weiteren Normalisierung und einer Freisetzung der aufgestauten Nachfrage, was in den kommenden Monaten für eine nachhaltige Erholung sorgen dürfte.

Die weitere Lockerung der Pandemie-bedingten Einschränkungen dürfte Frühindikatoren wie den Einkaufsmanagerindizes Auftrieb verleihen. Die aktuellsten Einkaufsmanagerindizes sollen am 21. Mai veröffentlicht werden.

Die Konjunkturerholung dürfte besonders in den Entwicklungsländern und in Großbritannien deutlich werden, wo die starke Lockerung der Lockdown-Maßnahmen in den letzten Wochen der Dienstleistungsbranche weiteren Auftrieb verlieh. Großbritannien kann als führendes Beispiel betrachtet werden, denn hier zeigten die regelmäßig veröffentlichten Daten bereits eine starke Erholung des Konsums.

(Vorübergehender) Inflationsanstieg in den USA

Die letzten veröffentlichten Daten zur US-Kerninflation im April stellten alle Erwartungen in den Schatten (siehe Diagramm 1). Nach dem aktuellen Stand der Dinge dürfte der Preisdruck aber nicht von Dauer sein; er spiegelt offensichtlich das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot und andere kurzfristige Verzerrungen wider, die im Laufe der Zeit abklingen dürften.

Abbildung 1 - Ein Zeichen für die kommenden Entwicklungen Gestiegene US-Kerninflation im April.

In der umfassenden Analyse der US-Inflation, die wir diese Woche veröffentlicht haben, betonen wir allerdings bereits, dass es für die weitere Entwicklung der Dinge wichtig ist, wie sich diese kurzfristigen Preisverzerrungen auf die Inflationserwartungen von Verbrauchern und Unternehmen auswirken werden. [1]

Der deutliche Anstieg der Inflationserwartungen der University of Michigan in der letzten Woche – der stärkste seit 1993 – ist ein Beispiel für das, was vor uns liegen könnte.

Fed-Kommentare diese Woche – geht es unverändert weiter?

Die jüngsten Kommentare führender Mitglieder der Fed werden wahrscheinlich weiterhin darauf bestehen, dass die Dauer des Inflationsanstiegs und seine Auswirkungen auf die zugrunde liegende Dynamik nur vorübergehender Art sein werden.

Diese Woche wird das Protokoll der April-Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) veröffentlicht – es könnte allerdings überholt wirken, denn die geldpolitische Sitzung fand vor dem enttäuschenden Arbeitsmarktbericht für April und der Veröffentlichung der starken Verbraucherpreisinflation von April statt.

Wir rechnen damit, dass der Fed-Vorsitzende Powell wiederholen wird, dass sich der Ausblick zwar verbessert hat, allerdings für den FOMC eine Drosselung der Anleihekäufe der Fed noch in weiter Ferne liegt und er die Inflation in den nächsten Monaten als vorübergehend betrachtet.

Unterdessen bei der EZB

Der Konsens geht davon aus, dass die EZB bei ihrer geldpolitischen Sitzung am 10. Juni beschließen wird, ihre COVID-bedingten Anleihekäufe zu drosseln. Es wird ebenfalls erwartet, dass die EZB bei dieser Gelegenheit ihre Prognosen für Wachstum und Inflation in den nächsten Jahren nach oben korrigieren wird.

Die Inflation in der Eurozone erholte sich dieses Jahr und stieg im April auf 1,6 %, während sie Ende letzten Jahres negativ war. Bisher prognostiziert die EZB, dass die Preissteigerungen im Jahr 2021 zum ersten Mal seit über zwei Jahren das Ziel der Zentralbank von knapp unter 2 % übertreffen werden.

Was die weitere Entwicklung betrifft, so ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Inflation in der Eurozone im Laufe des Jahres aufgrund der steigenden Energiepreise und der Freisetzung der aufgestauten Nachfrage zunehmen wird, während die Volkswirtschaften weiter öffnen.

Höhere Inflation – auch in den Schwellenländern

Der Inflationsdruck dürfte überall zunehmen und intensiver werden. In den meisten Schwellenländern – in 15 der 19 großen Volkswirtschaften – waren im April steigende Preise zu verzeichnen.

Die Inflation dürfte in den Schwellenländern zunehmen und bis in die zweite Jahreshälfte hinein anhalten. Da die Dynamik der Konjunkturerholung abflaut, werden die Wachstumsdaten für die Schwellenländer aber wahrscheinlich für das erste Quartal eine Verlangsamung bzw. einen Rückgang bestätigen.

In Asien …

Die jüngsten Daten zeigen, dass sich die Konjunkturaktivität in China verlangsamt und der Kreditimpuls nachlässt. Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz gingen im April stärker zurück als erwartet.

Die Exportdaten Singapurs, die normalerweise ein guter Indikator für die weltweite Nachfrage nach Industrieerzeugnissen sind, verbesserten sich im April nur um 5 % im Jahresvergleich, ein Wert, der weit hinter der Prognose von 20 % zurückbleibt und eine Verlangsamung der Exportnachfrage zeigt.

Die meisten asiatischen Aktienmärkte gingen nach der Ankündigung der überraschend hohen US-Verbraucherpreisinflation zurück. Taiwan musste in der vergangenen Woche 8,4 % abgeben, wobei die Verschlechterung der COVID-19-Situation den Index zusätzlich beeinträchtigt.

Devisenmärkte

Die niedrigeren US-Realrenditen und eine weniger aggressive Sicht der zukünftigen US-Geldpolitik schwächen den US-Dollar. Zunehmende Erwartungen an Zinserhöhungen in den Schwellenländern (besonders in Lateinamerika und CEEMEA-Ländern) und die anhaltend hohen Rohstoffpreise stützen die Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar.

Trotzdem könnte die Verschlechterung der Daten zur chinesischen Konjunkturaktivität im April (Rückgang von Einzelhandelsumsatz, Industrieproduktion und Anlageinvestitionen) die Schwellenländerwährungen auf kurze Sicht beeinträchtigen.

[1] Lesen Sie Inflation risks, regimes and implications for Treasury markets (Inflationsrisiken, Systeme und Auswirkungen auf die Staatsanleihemärkte), um zu erfahren, was das für den seit Jahrzehnte anhaltenden Haussemarkt für Staatsanleihen bedeuten würde.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

Mehr zu diesem Thema