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Wöchentliches Investment Update – Doppelte Belastung der asiatischen Kapitalmärkte

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Chi LO
 

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Die jüngsten Anstiege der Energiepreise und der Renditen von US-Staatsanleihen belasten die Preise für Anlagen und die Währungen der asiatischen Schwellenländer. Steigenden Rohstoffpreise verschlechtern die Zahlungsbilanzdynamik Asiens und setzten die Währungen großer Importländer unter Druck. Der Anstieg der Rendite von US T-Bonds auf ihren höchsten Stand seit Juni ruft den Anlegern unterdessen die negativen Auswirkungen eines ‚Taper Tantrums‘ auf Schwellenländeranlagen in Erinnerung. 

Während die solideren makroökonomischen Fundamentaldaten Asiens zwar nicht damit rechnen lassen, dass es angesichts der unmittelbar bevorstehenden Straffung der US-Geldpolitik erneut zu einem ‚Taper Tantrum‘ wie 2013 kommen wird, erschweren Kreditereignisse und Energieengpässe in China die Lage. Nachdem 20 Regionen, die gemeinsam mehr als 70 % des chinesischen BIP erwirtschaften, in der jüngsten Zeit ihre Umweltziele verfehlten, ordnete Peking die Schließung zahlreicher Fabriken und Kohlebergwerke an, um seine CO2-Emissionsziele erreichen zu können. Durch die Schließungen von Kohlebergwerken kam es verstärkt zu Stromausfällen, so dass noch mehr Fabriken schließen mussten.

Die daraus resultierende Störung der Produktion, die durch das jüngste Wiederaufflackern von Covid noch verstärkt wurde, führte zu ernsthaften Problemen in den internationalen Versorgungsketten und längeren Lieferzeiten (siehe Diagramm 1). Die verspätete Lieferung eines bestimmten Chips für die Automobilbranche kann beispielsweise ganze Montagelinien zum Stillstand bringen. Derartige Engpässe haben die Sorgen der Finanzmärkte um den weltweiten Inflationsdruck noch verstärkt.

Diagramm 1 - Chinesischer Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe Lieferzeiten

Lieferkettenprobleme beeinträchtigen Wirtschaftstätigkeiten

Daten zufolge sind die Lieferzeiten in Schwellenländern auch wesentlich länger geworden als in China und Asien. Die Differenz zwischen neuen Aufträgen und Produktion – bei der eine positive Differenz die Schwierigkeiten der Hersteller widerspiegelt, mit den Aufträgen gleichzuziehen – zeigt, dass die Situation in Asien nicht allzu angespannt zu sein scheint.

Die Differenz zwischen Aufträgen und Produktion liegt in der Region derzeit bei nahezu Null. In den Industrieländern wird dieser Abstand seit Anfang des Jahres allerdings größer, was auf zunehmende Engpässe in der Lieferkette hindeutet. Das Hauptproblem ist der Transport vom Osten in den Westen.

Da das Angebot geringer als die Nachfrage ist, sind die Inflationserwartungen gestiegen. Sollten die Anleger beginnen, am Narrativ der wichtigsten Zentralbanken zu zweifeln, dass die Inflation ‚vorübergehend‘ sei, könnte dies für zunehmenden Aufwärtsdruck auf die Renditen von Staatsanleihen sorgen, der wiederum Kapitalabflüsse aus Asien und eine kurzfristige Schwäche der regionalen Währungen bewirken würde.

Der Anteil der Kraftstoffpreise an den Warenkörben der Verbraucherpreisindizes der Region (VPI) ist zwar nicht groß, darf aber trotzdem nicht vernachlässigt werden. In Thailand, Singapur, den Philippinen und Südkorea werden global höhere Energiepreise typischerweise an die Verbraucher weitergegeben, was bedeutet, dass in diesen Volkswirtschaften das Risiko einer energiebedingten Inflation größer ist.

Hin und Her bei US-Fiskalpolitik beeinflussen Rentenmärkte…

Die Reibereien um die US-Fiskalpolitik beeinträchtigen auch die Marktstimmung bei US-Anleiherenditen und verstärken so den kurzfristigen Aufwärtsdruck noch. In der letzten Septemberwoche wurden Diskussionen – und damit auch die Ungewissheit – über das Ziel der Regierung Biden fortgesetzt, sowohl über einen großen parteiübergreifenden Ausgabenplan für die Infrastruktur als auch über ihre „Buld Back Better“-Vorschläge zu Sozialprogrammen, Klimawandel und Steuern zu verabschieden. Für die US-Schuldenobergrenze lauert jetzt eine neue Frist im Dezember, nachdem man sich zunächst geeinigt hat, das Problem aufzuschieben. Finanzministerin Janet Yellen zufolge dürften die außerordentlichen Kreditaufnahmemöglichkeiten des Finanzministeriums bis zu diesem Zeitpunkt schnell ausgeschöpft sein, wenn die Schuldenobergrenze nicht angehoben oder ausgesetzt wird.

Solange Unsicherheit im Hinblick auf die Schuldenobergrenze herrscht, werden einige Anleger zögern, Staatsanleihen zu halten, deren Fälligkeit in die Wochen fällt, in denen die Operationen mit Schuldpapieren des Schatzamtes gestört sein könnten.

… sogar in den asiatischen Schwellenländern

Die Aktien – besonders Technologiewerte – und Währungen der asiatischen Schwellenländer reagieren empfindlich auf diese Entwicklungen. Die Unsicherheit könnte auch die Rentenmärkte der Region beeinträchtigen.

Die asiatischen Technologiewerte wurden bereits schwer in Mitleidenschaft gezogen, besonders die chinesischen Aktien, aufgrund der von Peking durchgeführten regulatorischen Straffung. Zu den positiven Aspekten zählt, dass die Technologiewerte bereits seit Monaten schwach sind, so dass sie jetzt über angemessenere Bewertungen verfügen und ihr Abwärtspotenzial beschränkt sein könnte.

Die regulatorische Straffung seit dem Amtsantritt von Präsident Xi Jinping im Jahr 2013 zeigt, dass die Bemühungen der Behörden, das Wachstum von Verschuldung und Produktivität zu stabilisieren und die Korruption zu bekämpfen, erfolgreich waren. Bisher reagierte der chinesische Aktienmarkt in allen drei Runden regulatorischer Maßnahmen seit 2013, die jeweils 12 bis 18 Monate dauerten, positiv und stieg, nachdem er zunächst für kurze Zeit zurückgegangen war.

Sollte das auch diesmal so sein, könnte eine nachhaltige Erholung der chinesischen Aktien eintreten, wenn die aktuelle Runde regulatorischer Straffungsmaßnahmen vorüber ist. Sollten die Rahmenbedingungen unverändert bleiben, hätte das positive Auswirkungen auf die Anlegerstimmung bezüglich dieser Region.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Verwahrung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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