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Wöchentliches Investment-Update – Was treibt die Aktienmärkte in die Höhe?

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Daniel MORRIS
 

Nach dem Ende der erfolgreichen US-Gewinnsaison des vierten Quartals gilt die Aufmerksamkeit jetzt den Ergebnissen der europäischen Unternehmen,

die leider nicht viel mit denjenigen ihrer US-Pendants gemeinsam haben. In beiden Regionen waren die Erwartungen gering, nachdem die Lockdowns aufgrund der Pandemie zu einem historischen Einbruch der BIPs geführt hatten. Ein negatives Gewinnwachstum hätte niemanden überrascht –

im Gegensatz zum positiven Gewinnwachstum, das die S&P 500-Unternehmen bisher meldeten: Ihre Gewinne stiegen im Vergleich zum vierten Quartal 2019 um 4 %, was wesentlich mehr ist als der prognostizierte Rückgang um 13 % (bisher liegen die Meldungen von 396 Unternehmen vor). Die europäischen Gewinne sind dagegen um 10 % zurückgegangen, nur etwas weniger als der prognostizierte Gewinneinbruch um 14 % (199 Unternehmen meldeten bisher ihre Gewinne).

ÜBERRASCHENDE GEWINNE

Obwohl die stärkeren fiskalischen Konjunkturmaßnahmen in den USA und weniger kostenintensive Lockdowns bereits in die Erwartungen der Analysten eingepreist gewesen sein dürften, waren die Unternehmen trotzdem in der Lage, diese deutlich zu übertreffen.

Insbesondere konnten die Unternehmen diejenigen Unternehmen, die dank Internet von der Pandemie profitierten (z. B. elektronischer Handel und Streaming-Dienste) weiterhin hohe Gewinne erwirtschaften.

Konsum und Produktion nahmen aber noch nicht in dem Ausmaß zu, wie es im November kurz vor Beginn der Impfungen angekündigt wurde. Zu sehr bremsen Ausgehbeschränkungen, Lockdown, Homeoffice und fehlende Lust die wirtschaftlichen Aktivitäten. (siehe Diagramm 1).

Diagramm 1 Mobilitatsindex

WER KAUFT?

Weder der stotternde Konjunkturmotor noch der Anstieg der US Treasury-Renditen auf fast 1,3 % für zehnjährige Laufzeiten konnte die Aktienanleger erschrecken. Berichten zufolge sollen Kleinanleger in den USA letzte Woche frisches Kapital in Höhe von mehr als 58 Mrd. USD in Aktienfonds investiert haben – der höchste je verzeichnete wöchentliche Zufluss. Unterdessen strömten im Dezember 78 Mrd. USD von ausländischen Anlegern in US-Aktien, nur knapp weniger als der bisherige Rekordwert von 79 Mrd. USD im Mai letzten Jahres.

Reicht das aus, um die die Aktienkurse weiter in die Höhe zu treiben? Vorbehalte sind angebracht.

Während die Zuflüsse aus dem Ausland seit dem letzten Frühjahr in der Tat hoch waren, haben viele US-Anleger an ausländische Käufer verkauft. Die kumulierten Kapitalströme von Kleinanlegern in Aktien waren in den letzten Monaten negativ, selbst unter Berücksichtigung des Rekordzuflusses der letzten Woche. Der hohe Dollar-Betrag der Zuflüsse spiegelt auch den höheren Wert des Marktes wider; als prozentualer Anteil an der Marktkapitalisierung waren die Zuflüsse nicht ungewöhnlich hoch.

Diagramm 2 Kaufe von US-Aktien

STEIGEN DIE KURSE SCHNELLER ALS DIE GEWINNE?

Ungeachtet der Ursache für die Marktgewinne spiegeln die Bewertungen einen Kursanstieg wider, der schneller ist als der Anstieg der Gewinne. Die Anleger antizipieren den erwarteten fiskalischen Stimulus und hoffen immer noch darauf, dass nach dem Ende der Lockdowns die aufgestaute Nachfrage zum Tragen kommen wird. Die wichtigste Frage ist, ob die Kurse im Vergleich zu den Gewinnen zu schnell gestiegen sind.

Das könnte in einigen Marktsegmenten zutreffen, besonders bei den Unternehmen, die von der Pandemie profitierten. Die hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) dieser Mega Cap-Aktien verzerren zwangsläufig das KGV des Gesamtindex.

Eine Möglichkeit, die Bewertungen aller Aktien des Index zu beurteilen, ist es, das mittlere KGV anstatt des marktgewichteten KGV zu berücksichtigen. Betrachtet man den Technologiesektor (einschließlich Internet-Einzelhandel, interaktive Medien und Dienstleistungen sowie Filme und Unterhaltung) unabhängig vom Rest des Marktes, ergibt sich ein deutlicher Unterschied.

Während das mittlere KGV des Technologiesektors seinen höchsten Wert der letzten 17 Jahre erreicht hat, liegt das mittlere KGV des restlichen Marktes bei seinem langfristigen Durchschnitt. Angesichts der Tatsache, dass sehr niedrige Zinsen für ein höheres KGV am gesamten Markt stehen und dass aufgrund des bevorstehenden fiskalischen Stimulus noch mit Gewinnwachstum zu rechnen ist, könnten lediglich ‚durchschnittliche‘ Bewertungen überraschend sein (siehe Diagramm 3).

Das lässt darauf schließen, dass es unter den US-Aktien immer noch Gelegenheiten mit angemessener Bewertung gibt, wobei man allerdings sorgfältig auswählen sollte.

Diagramm 3 Median P-E Russell 3000


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